Fotokolumne : Heimspiel
An dieser Stelle zeigen alle zwei Wochen Fotograf:innen aus der Schweiz ihr «Heimspiel».
Caroline Minjolle (1) – Auf meinem Balkon: 8. August 2040: Um neun Uhr früh kann man sich bei 35 Grad auf dem Balkon noch etwas abkühlen, bevor man für den Rest des Tages reinmuss. Caroline Minjolle hat diesen Moment mit einem Model inszeniert.
Elisabeth Real (2) – Trost am Plattenteller: Im Januar kommt der Bruder bei der Fotografin zu Besuch. Vor kurzem ist der Vater gestorben. Sie spielen eine Platte ab, die sie als Kinder oft zusammen gehört haben. Elisabeth erzählt Sebastian, wie es vor seiner Geburt war, und er berichtet von der Zeit, in der er als Jüngster mit den Eltern zusammenwohnte, nachdem die älteren Geschwister schon ausgeflogen waren. Die Erinnerungen überschneiden sich nur teilweise, aber dass er auch weiss, wie es war, ist ein Trost für beide.
Meinrad Schade (3) – Nebeltest in Steckborn: Ein Heimspiel im doppelten Sinne! Ich bin im Thurgau aufgewachsen, und jedes Mal, wenn ich mich im Thurgau aufhalte, spüre ich diese gewisse Vertrautheit bei gleichzeitigem Fremdeln. Ich beschloss, Slam-Poetin Lara Stoll, die ebenso im Thurgau aufgewachsen ist, vor ihrem «Heimspiel» im Phönix Theater in Steckborn zu fotografieren.
Danielle Liniger (4) – Cualli tonalli: «Ich fühle mich wie die Auskunft, und ihr denkt, dass ich die Agenda auswendig weiss!» – Mit ihrem Projekt «Cualli tonalli», was auf Nahuatl (eine indigene Sprachfamilie in Mexiko) so viel heisst wie «Ich wünsche dir einen schönen Tag», hinterfragt die Fotografin Bedürfnisse und Fragen ihrer Familie.
Ladina Bischof (5) – Mit Licht gezeichnet: Hier, in meinem Zuhause, verstummen meine inneren Alarmglocken. Ich starre Löcher in die Luft, und die Zeit verliert ihre Dringlichkeit. Und plötzlich merke ich, dass meine baren Füsse inzwischen Socken tragen.
Nils Lucas (6) – Freier Fall: Vor achtzehn Monaten bin ich umgezogen, habe wenigen meine neue Nummer gegeben. Ein Reset im Chaos, das uns alle umgibt. Neuorientierung bei 40 Grad. Jetzt bin ich hier. Das Chaos bleibt.
Yoshiko Kusano (7) - Tankstelle zum Glück: Vor meiner Haustür finden jeden Sommer zwei Festivals statt: das Gurtenfestival und das «Gugus Gurte» im Kulturlokal Heitere Fahne. Dort hat das Kollektiv Freiraum die «Heitere Tankstelle» eröffnet, wo Menschen voneinander tanken können: Ideen, Fürsorge, Mut, Fantasie, Gemeinschaft. Um dies zu gewährleisten, können Besucher:innen bei Ana-Lea und Iris in einem Quiz ein Awarenesszertifikat gewinnen, um danach in der Gugus-Disco abzutanzen.
Flurina Rothenberger – Kleine Welt (8): Eben noch im Tschad, wo der Regen auf sich warten lässt und die Suche nach Wasser und Schatten nicht aufhört. Jetzt der Zürichsee. Der Steinboden brennt unter den Füssen; ich wate hinaus, bis das Wasser tief genug ist zum Schwimmen. Die Massstäbe sind andere, aber der Abstand wird kleiner.
Serafin Gerber – Kindheitserinnerung (9): Mutters Messer im Haus, in dem ich aufgewachsen bin; heimelig verfremdet in Photoshop, meinem Wohnzimmer.