Was weiter geschah : Und plötzlich schweigen sie
Die beiden Anführer der Jungen Tat, Manuel Corchia (25) und Tobias Lingg (23), sind eigentlich nie um ein Wort verlegen. Auf ihren Social-Media-Kanälen herrscht Dauerprogramm. Anders am vergangenen Freitag: Vor dem Bezirksgericht Zürich verweigerten sie, ebenso wie vier weitere Mitglieder der rechtsextremen Gruppe, jegliche Aussagen.
Sie standen vor Gericht, weil ihnen eine ganze Reihe von Straftatbeständen zur Last gelegt wird: Aufruf zu Hass, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit. Die Staatsanwaltschaft fordert für die beiden vorbestraften Anführer Freiheitsstrafen von je fünfzehn Monaten, sechs davon unbedingt. Den vier weiteren Mitgliedern drohen Bussen.
Das Reden vor Gericht überliessen die angeklagten Mitglieder der Jungen Tat letzte Woche ihren Anwält:innen. In jeweils gut einstündigen Plädoyers führten diese die Meinungsfreiheit ins Feld. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft versuchten sie teils aggressiv, teils durch Lächerlichmachen zu entkräften. Sie forderten Freisprüche. Die Staatsanwaltschaft hingegen stellte klar: «Meinungsfreiheit ist kein Freipass für die eingesetzten Mittel.»
Aufgrund der vielen und langen Plädoyers dauerte die Gerichtsverhandlung bis in die Abendstunden, eine Urteilsfindung und -sprechung war gleichentags nicht mehr möglich. Das Bezirksgericht wird das Urteil erst zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben. ●
Nachtrag zum Artikel «Rechtsextremismus: Im identitären Universum» in WOZ Nr. 35/26.