Leser:innenbriefe
Sprachenpflicht in der Justiz im Tessin
«Affäre Zali: Die Tote im See», WOZ Nr. 37/26
Der Artikel über Staatsrat Zali zeigt die offensichtlichen Ungereimtheiten der «Herrschenden» im Tessin, auch wenn jene von Zali noch nicht bewiesen sind. Folgende Probleme aber sind belegbar: Leider wurde ich als Verwahrter vor rund sieben Monaten ins Tessin zwangs- und strafversetzt, und ich machte vom ersten Tag an genau diese Erfahrungen, die die im Artikel erwähnten Grossräte Sergi und Pronzini anscheinend seit Jahren machen: «Wir haben ein starkes Misstrauen gegenüber der Justiz.» Ich habe auch ein grosses Misstrauen gegenüber der Justiz.
Die Direktion vom Gefängnis Stampa erlaubt sich manches, was nicht rechtskonform ist. Auch Gefangene sind Inhaber sämtlicher Grundrechte, ausser dem Recht auf persönliche Freiheit. Das Gefängnis Stampa sowie die Behörden argumentieren, dass im Tessin Italienisch die Amtssprache sei – und dass deshalb, wer nicht Italienisch kann, offensichtlich keine Rechte hat. Das ist natürlich Nonsens, denn die Grundrechte gemäss Bundesverfassung gelten in der ganzen Schweiz! Stampa antwortet auf Briefe in Italienisch (für mich unverständlich), die Justizabteilung sendet auf Deutsch geschriebene Beschwerden umgehend zurück. Die Direktion verweigert stur und auf schikanöse Art die für sie sehr einfach mögliche Übersetzung (Kl et cetera) und verweigert gar die Installation einer Übersetzungssoftware auf dem Mietcomputer, der mir zur Verfügung steht.
Vertrauen in die Behörden? Wie und von wo?
Romano Schäfer, Lugano
Unglaubliche Ausbeutung
«Die schier unglaubliche Geschichte des Pouletbooms», «wobei» Nr. 5 in der WOZ Nr. 39/26
Die Dokumentation der WOZ ist die Geschichte einer unglaublichen Ausbeutung des Huhns. Die schlimmste Zahl im Bericht: Innert 35 Tagen erreichen Masthühner das Zielgewicht und werden praktisch im Säuglingsalter gleich wieder getötet. Wohlverstanden bei einer Lebenserwartung von rund sechs Jahren vergleichbarer wilder Hühner. Auch wenn sie «extra dafür gezüchtete Nutztiere» sind, sind sie genauso empfindsam, fühlend und leidensfähig wie Haus- oder Wildtiere! Dies ist wieder mal eine Bestätigung, dass nur der Verzicht auf Tierprodukte den wehrlosen Hühnern und allen anderen «Nutz-»Tieren hilft. Wir müssen diese bald unendliche ethische Katastrophe unbedingt überwinden. Künftige Generationen werden hoffentlich bald kopfschüttelnd fragen, wie wir damals bloss fühlende Lebewesen essen, als Kleider missbrauchen und an ihnen Experimente machen konnten …
Renato Werndli, Eichberg