100 Wörter

Stephan Pörtner schreibt für die WOZ seit Sommer 2008 Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen.

13.09.2018

Nahe am Punktemaximum

Kehrbeissers Sommereuphorie schlug in lähmende Betrübnis um, als ihm die bis zum Ferienende zurückbehaltene Post Strafbefehle, Kündigungen und Schmähbriefe ins Haus brachte.

06.09.2018

Die lächelnde Verachtung des Schankpersonals

Binderbeck wusste, kaum dass er das Lokal betreten hatte, dass er einen Fehler machte. Er war kein Freund der Gastronomie, obwohl er niemals in der Lage gewesen wäre, derart schmackhafte Speisen zuzubereiten, und auch den Preis dafür nicht überrissen fand.

30.08.2018

Schlag sie tot, die Zeit!

Die umfangreiche Liste der auf die Ferien verschobenen, aber wegen grosser Hitze nicht angegangenen Projekte zur Optimierung der Wohnstätte und der persönlichen Verfassung lauerte dräuend in seinem Hinterkopf.

23.08.2018

Bloss nicht ins Hotel!

Das Zelten erfreute sich immer grösserer Beliebtheit und reihte sich damit in die Tradition jener Tätigkeiten ein, die den Wandel vom aufwendigen Spezialinteresse zum Inbegriff von Spiessigkeit und Herdentrieb zur individualistischen Freizeitgestaltung durchgemacht hatten, ohne sich im Kern zu ve

09.08.2018

Invasion der Altersbrünftigen

Als die gruppenreisenden Pensionäre, deren graue geschlechtsneutrale Kurzhaarfrisuren den rätselhaften Bestand kleiner Coiffeursalons auf dem Land erklärten, das Zugabteil enterten und anhoben zu lärmen, als seien sie auf der Schulreise, als die Wortführer ihre Sprüche abfeuerten, die zwischen de

19.07.2018

Täglich ins Wasser

Das Baden im See war ihm suspekt. Weil dieser aber vor der Haustür lag und ihn nur anzuschauen mit der Zeit öd wurde, wollte er wenigstens im Sommer zu denen gehören, die sich täglich ins Wasser wagten.

12.07.2018

Abgesägte Hosen

Der Verlust des linken Halbhosenbeins seiner multifunktionalen und atmungsaktiven Wanderhose stürzte ihn in Verzweiflung. Wie konnte es sein, dass sein teuerstes und hässlichstes Kleidungsstück, obwohl noch zu drei Vierteln vorhanden, vollkommen nutzlos geworden war?

05.07.2018

Die raffinierte Lebensart

Der Beruf des Sommergastes geriet langsam in Vergessenheit, sehr zum Bedauern jener Tourismusgebiete, die zwar schön, aber unspektakulär waren.

28.06.2018

Mit Weizen zur Passhöhe

Schertenstein fuhr mit dem Velo über den Klausenpass, wobei ihm der Atem ausging, weil er für so eine Unternehmung zu alt und zu wenig trainiert war. Auf dem Urnerboden überkamen ihn heftige Wadenschmerzen, die er in einer Töfffahrerkneipe mit dunklem Bier zu lindern gedachte.

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