100 Wörter

Stephan Pörtner schreibt für die WOZ seit Sommer 2008 Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen.

09.10.2008

Das schöne Geld

Am Abend des 8. Oktober sass der Bankdirektor Joe B. Ochsenknecht deprimiert in seiner Achtzigzimmerwohnung in den oberen zwölf Stöcken des Wealth-and-Power-Turms. Er hatte eben einhundertneunundsiebzigtausendvierhundertdreiundsechzigeinhalb Fantastilliarden Dollar verspekuliert.

02.10.2008

Kuhdreck

Im schönen Valsertal lebten drei Zwerge unter einem grossen Stein am Südhang. Von dort aus bewarfen sie die Kurgäste mit Kuhdreckbatzen. Diese bemerkten dies erst Stunden später, wenn die kleinen, runden Fladen beim Umziehen zu Boden fielen.

25.09.2008

Garnichts

Der Garnichts ging am Mittag ins Hallenbad, um sich zu stählen. Weil er aber nicht gern nass wurde, setzte er sich nur auf den Beckenrand und liess die Beine in der Chlorbrühe baumeln.

18.09.2008

Lehrer an der Notbremse

Tausend Lehrer machten einen Ausflug nach Basel, um sich über die neuesten Trends der Pädagogik zu informieren. Zweihundert verpassten den Zug, hundert blieben im Bahnhofbuffet hängen, dreissig flohen nach Frankreich und zwei heirateten.

11.09.2008

Sonntagswahn

Der Sonntag ist der Wochentag, an dem die Menschen am leichtesten überstellig werden. Darum wurde versucht, mit Religion oder Ausschlafen die Leute ruhigzustellen. Auch die After-Hour-Party war ein Versuch, den Sonntagswahnsinn zu stoppen. Wie sich gezeigt hat, vergebens.

04.09.2008

Launisch

In einer nicht genannt werden wollenden Stadt am Zürichsee lebte ein schlecht gelaunter Bandmanager. Er hatte genug Geld, trug einen modischen Faserbart und lebte mit seiner erfolgreichen Freundin mitten in einem ebenfalls nicht genannt werden wollenden Trendviertel.

28.08.2008

Triathlon in Hawaii

Wer rennt, kommt zwar schnell vorwärts, jedoch selten irgendwohin. Deshalb wird das Rennen oft als Therapie gegen Rastlosigkeit verschrieben. Es sind ja diejenigen, die schon weit gekommen sind, die es dort, wo sie sind, am wenigsten aushalten.

21.08.2008

Familie Wacholder

Drei Generationen Knechtschaft hatten die Familie Wacholder griesgrämig werden lassen. Der Vater schlug die Kinder, die Mutter schlief mit jedem Trottel, wie bei der Unterschicht so üblich. Sie gewannen jedoch eine Kreuzfahrt für die ganze Familie.

14.08.2008

Verrusstes Karma

Heinrich Gutschlaf stand morgens um halb zehn auf und wunderte sich, dass es schon hell war. Dabei war das gar nichts Ungewöhnliches um diese Jahreszeit. Davon hatte einer wie Gutschlaf, der seine Tage damit zubrachte, den Regenwürmern Wasser zu predigen, natürlich keine Ahnung.

07.08.2008

Rohe Cervelats am Waldrand

Im Wald sehen die meisten Menschen ziemlich klein aus. Das liegt vor allem am Grün der Bäume und am Blau des Himmels. Diese Farbkombination verursacht eine optische Täuschung, die Spaziergänger höchstens zehn Zentimeter gross erscheinen lässt.

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