Hundeleben: Guten Appetit!
Das Buch trägt den Titel «Time to Eat the Dog?». Der Untertitel lautet: «Der echte Leitfaden für nachhaltiges Leben». Wirklich? Müsste man aus ökologischen Gründen seinen Hund essen? Das Buch stammt vom neuseeländischen Architekt:innenehepaar Brenda und Robert Vale, die sich auf nachhaltiges Bauen spezialisiert haben. Es erschien bereits 2009, wird aber immer noch gerne zitiert. Die Vales rechnen darin vor, dass ein mittelgrosser Hund etwa doppelt so viel CO2 produziert wie ein SUV, und traten mit dieser These eine heftige Debatte los. Man warf ihnen vor, sich um einen Faktor zwanzig verrechnet zu haben. Vermutlich liegen sie mit ihrer Berechnung tatsächlich daneben – völlig abwegig ist sie jedoch nicht. Viele Hundebesitzer:innen lieben grosse Autos, und sie lieben es, damit ins Grüne zu fahren, um ihr Tier zu lüften. Das macht den Hund zum Klimasünder, obgleich er nur ein Mitläufer des Oberklimakillers Mensch ist. Das liesse sich jetzt noch vertiefen.
Interessant ist indes auch eine andere Frage: Dürfte man das überhaupt, den Hund essen? Die Antwort lautet: Kommt darauf an. In Deutschland ist es explizit verboten. Da heisst es in der «Tierische Lebensmittel-Hygieneverordnung»: «Es ist verboten, Fleisch von Hunden (Canidae), Katzen (Felidae) sowie von Affen zum Zwecke des menschlichen Verzehrs zu gewinnen oder in den Verkehr zu bringen.» Anders in der Schweiz. Bei uns fehlt ein explizites Verbot, Hunde oder Katzen zu essen. Man darf seinen eigenen Hund schlachten und braten, aber keine fremden. Und man darf auch kein Hundefleisch verkaufen. Wie oft Hund hierzulande auf den Tisch kommt, weiss niemand. Wahrscheinlich nur höchst selten.
Dass Menschen seit alters lieber Gras- statt Fleischfressern verzehren, hat allerdings nicht nur moralische, sondern auch hygienische Gründe. Karnivoren haben häufig Kontakt zu Aas, was das Risiko erhöht, beim Verzehr ihres Fleisches einen Parasiten oder Krankheitserreger aufzulesen. Neelix, mein betagtes Tier, muss sich also nicht fürchten. Er wird nicht auf dem Teller landen. Weil er schon alt und zäh ist, weil ich ohnehin kein Fleisch esse und vor allem auch, weil ich als Hundehalterin weiss, welche kulinarischen Vorlieben Hunde haben: von verrotteten Tauben bis hin zu Menschenkot.
WOZ-Redaktorin Susan Boos hält seit Jahrzehnten Hunde. In ihrer neuen Kolumne schreibt sie über das Vermenschlichte am Hund und das Politische im Tier. Die Serie erscheint jeden Mittwoch auf woz.ch.