Hundeleben: Designerhunde
Dieses Mal geht es um Designerhunde: Das sind diese perfekten Tiere, kinderfreundlich, nicht haarend. Ganz anders als Neelix, mein kleiner sturer Bastard, der gerade sein Haarkleid wechselt und einen dazu bringt, sich zu fragen, warum er bei all den Haaren, die in der Wohnung herumfliegen, nicht schon längst nackt ist. Es ist ein Ärgernis, gehört aber dazu, dachte ich – bis die Designerhunde die Welt eroberten. Sie heissen Labradoodle oder Cockapoo.
Man nehme zwei Rassehunde mit besonderen Merkmalen und mische sie. So wird zum Beispiel eine sehr freundliche Labradorhündin mit einem Pudelrüden verpaart, der kaum Haare verliert. Daraus entsteht der Labradoodle. Ein Cockapoo wiederum ist eine Kreuzung aus Cocker Spaniel und Pudel.
Der Australier Wally Conron schuf Ende der achtziger Jahre den ersten Hybridhund. Conron war Hundeausbilder und hatte ein Problem zu lösen: Eine blinde Frau suchte einen Blindenführhund, doch ihr Mann war allergisch auf Hundehaare. Ein klassischer Führhund wie der Labrador war ungeeignet, weil er haart. Die Pudel, die Conron alternativ einsetzen wollte, erwiesen sich wiederum als nicht sonderlich begabt für diese Aufgabe. Deshalb kreuzte er beide Rassen – und es klappte. Die Frau bekam Sultan, einen Führhund, der für Allergiker tatsächlich verträglich war. Jahrzehnte später bereute Conron die Erfindung des Labradoodles jedoch. In einem Interview sagte er: «Ich habe die Büchse der Pandora geöffnet und ein Frankenstein-Monster freigelassen.»
Das Problem ist, dass Menschen Hunde inzwischen wie Autos kaufen – nach Farbe, Aussehen und Grösse. Der Pomsky ist ein Paradebeispiel dafür: Er sieht aus wie ein Schlittenhund, ist aber klein. Er ist eine Kreuzung aus einem Zwergspitz (Pomeranian) und einem Husky. Auf natürlichem Weg können die beiden keine Welpen zeugen, da die Huskyhündin viel schwerer ist als der Zwergspitz, der nur ein Zehntel von ihr wiegt. Um Nachwuchs zu produzieren, muss die Hündin künstlich befruchtet werden.
In meiner Umgebung gibt es viele Labradoodles oder Cockapoos. Bei aller Kritik: Es sind normale, freundliche Tiere und ideal für Leute ohne Hundeerfahrung – keineswegs Monster. Einen Hund aus dem Tierheim zu adoptieren, wäre ethisch vielleicht besser, kann aber zum Höllenritt werden, weil man nie genau weiss, was man sich ins Haus holt. Oder, wie Theodor W. Adorno so treffend sagte: «Es gibt kein richtiges Leben im falschen.»
Immer montags beantworten wir in der Rubrik «Frag die WOZ» jeweils eine wirklich (un)wichtige Leser:innenfrage. Noch Fragen? fragdiewoz@woz.ch!