Nr. 51/2017 vom 21.12.2017

Brinkelzorns Ende

Von Stephan Pörtner

Einen Hund anzuschaffen, so musste Brinkelzorn zugeben, war keine gute Idee gewesen. Die natürliche Autorität, die er auszustrahlen glaubte, beeindruckte das Viech nicht im Geringsten. Es tat mehr oder weniger, was es wollte, und entfernte sich auch ohne Erlaubnis oft und gern weit weg von Brinkelzorn, über den deswegen eine ausgewachsene Existenzkrise hereinzubrechen drohte. Weder mit Leckereien noch esoterischen Tierkommunikationsmethoden gelang es ihm, dem Hund auch nur die simpelsten Befehle beizubringen. Statt ausgeglichener und fitter wurde er zusehends gestresst, verzweifelt und tattrig, und so wundert es nicht, dass er es war, der anstelle des Hundes vor dem Gartentor überfahren wurde.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Die WOZ hat eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein Krimi «Mordgarten» ist unter www.woz.ch/shop/buecher zu haben.