Nr. 49/2020 vom 03.12.2020

Ablebensbegleitung für Normalsterbliche

Von Stephan Pörtner

Zum echten Lifestyle-Event entwickelt sich zusehends das Sterben. Als sich über Wochen hinziehendes Grossereignis zelebriert und beschrieben, bietet es Anlass für allerlei Tiefsinn und Weltbegreifen, für Bewusstseinszelebrieren und In-Liebe-ertränkt-Sein. Die Umstände für so eine Lebensendinszenierung müssen stimmen, nur wer über genügend freie Zeit, einzuspannende Familienmitglieder und vielfältige Verbreitungskanäle verfügt, kann den Sterbenden ein würdiges Ende ermöglichen. Dabei wird die Latte in Sachen Ablebensbegleitung für die Normalsterblichen umso höher gelegt, als die Realität in den allermeisten Fällen eine eher pragmatische bis triste ist, gerade in den Zeiten der Pandemie, in der noch mehr als sonst einsam und mitunter unschön gestorben wird.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Letzten Herbst ist sein neuster Köbi-Krimi, «Pöschwies», im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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