Nr. 15/2022 vom 14.04.2022

Ächzen im Gebälk

Von Stephan Pörtner

Ob die sich aneinanderreihenden Krisen tatsächlich ein verstärktes Ächzen im Gebälk darstellten und somit eher Symptom denn Ursache waren, wurde noch heftig diskutiert. Einerseits wurden dadurch während Jahrzehnten aufgeschobene Veränderungen plötzlich dringlich und nun in ungeahnter Geschwindigkeit angegangen. Andererseits liess eine verzwickte Gegenwart die Vergangenheit umso rosiger erscheinen, und der Wille, diesen illusorischen Zustand zu erhalten oder wieder herbeizuführen, koste es, was es wolle, konnte leicht dazu führen, dass die Veränderung in eine Richtung ging, die alles nur noch schlimmer machte und mangels radikalen Umdenkens auf eine Versteifung auf das Altbekannte hinauslief, die das Gebälk umso krachender einstürzen lassen würde.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. 2019 ist sein letzter Köbi-Krimi, «Pöschwies», im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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