Film : Interview mit einem Vamp

Nr.  3 –

So könnte auch eine Krimiparodie beginnen: Zwei Polizisten beim Schiesstraining beklagen sich darüber, dass es zurzeit so wenig Morde in ihrer Stadt gebe. Ob es am Wetter liegt? Aber dann fällt ihnen ihr nächster Fall direkt vor die Füsse, zumindest inszeniert es der Koreaner Park Chan-wook so: Ein Hobbybergsteiger ist vom Fels gestürzt, und Inspektor Hae-joon (Park Hae-il) und sein Assistent besichtigen die Leiche noch am vermeintlichen Tatort.

Alles deutet auf einen Unfall hin – bis sie die junge Witwe (Tang Wei) interviewen und Hae-joon mit ihr den ersten Blick austauscht. Plötzlich ist an Parodie nicht mehr zu denken, denn wir befinden uns tief in einem jener klassischen Films noirs, in dem ein Kommissar in die Fänge einer Femme fatale gerät. Oder ist es sie, die sich obsessiv in seine Ermittlungen verstrickt? Was sich zwischen den beiden Hauptfiguren abspielt, ohne auch nur eine explizite Szene, ist jedenfalls auf eine Weise sexy, wie man sie aus dem Gegenwartskino kaum mehr kennt. Dabei legt Park Chan-wook («Oldboy») seinen Neo-Noir nicht als nostalgische Stilübung an, sondern mit dem Willen zur absoluten Modernität. Statt dunkel spiegelnden Asphalt und Machoattitüde gibt es eine verspielte Kameraführung mit oft extremen, überraschenden Perspektiven und einen Polizisten als Helden, der seine Verdächtige bekocht und ihre Hände mit Lotion einreibt. Statt Rückblenden sind es die Aufnahmen und die Apps der Smartphones, die innovativ die Lücken ausfüllen.

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