Ein Traum der Welt: Neue Routen

Nr. 26 –

Annette Hug liest alte Zeichen

Die Nachrichten werden düsterer, Grundfesten wanken. Aber zwei kleine chinesische Zeichen verschaffen mir einen kurzen Begeisterungsboost: 麻逸 wird «ma-yi» ausgesprochen und bezeichnet in chinesischen Annalen das Gebiet um die Bucht von Manila, vielleicht auch mehrere Orte auf Luzon und auf der Insel Mindoro. 麻 ist heute vor allem als Wort für eine spezielle Art von Schärfe bekannt, für das Krausen auf der Zunge, wenn ein Gericht viel Szechuanpfeffer enthält. Es dient aber auch als Sammelbegriff für Hanf, Flachs, Jute, Sisal. (大麻, «grosser Hanf», wäre Marihuana.) Die zweite Silbe – 逸 – kann Entspannung, Wohlleben oder Flucht bedeuten. Wobei die Bedeutung dieser Zeichen nicht überbewertet werden darf, vielleicht sind sie nur die lautliche Nachbildung eines Tagalog-Worts, das man schön, aber wahrscheinlich inkorrekt, auf «may nilad» zurückgeführt hat: da, wo die weissen Blüten des Nilad blühen.

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