Essay : Wessen Rechtsstaat?

Nr. 26 –

Aus der Perspektive der Schwarzen radikalen Tradition liest sich der Faschismus wie die Fortführung des kolonialen Projekts der bürgerlich-liberalen Gesellschaft.

Portraitfoto von Ruth Wilson Gilmore
Erkennt im Ausbau des strafenden Staates ein Merkmal der Faschisierung: Die US-amerikanische Gelehrte und Abolitionistin Ruth Wilson Gilmore. Stephan Röhl

1966 brachte der italienische Regisseur Gillo Pontecorvo mit «Schlacht um Algier» einen Spielfilm ins Kino, der bis heute wie ein Essay über die koloniale Frage wirkt. In einer Schlüsselszene des Films, der von der Niederschlagung des algerischen Aufstands durch die Franzosen erzählt und auf historischen Begebenheiten beruht, erklärt Colonel Mathieu, Veteran des Widerstands gegen den Nationalsozialismus, seinen Soldaten die «französische Doktrin»: Da die algerische Widerstandsbewegung irregulär kämpfe, müsse auch die Kolonialmacht irregulär handeln. Folter, Hinrichtungen, die Vertreibung und Zwangsinternierung von Zivilist:innen – das alles sind für den Franzosen unverzichtbare Werkzeuge im Kampf gegen den Aufstand. Anders formuliert: Der französische Antifaschist erklärt seinen Soldaten, wie die weisse Vorherrschaft mit faschistischen Methoden gerettet werden kann.

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