Atomausstieg : Es geht ums Geschäftsmodell

Nr. 26 –

In der Schweizer AKW-Debatte geht es zu wenig um strukturelle Fragen. Ein Blick nach Frankreich ist da erhellend.

Die Folgen der aktuellen Hitzewelle für unsere Gesundheit, unsere Ökosysteme und unsere Infrastruktur sind gravierend. Und weitreichend: So war die staatliche Elektrizitätsgesellschaft Frankreichs (EDF) Anfang dieser Woche gezwungen, das Kernkraftwerk Golfech im Südwesten des Landes abzuschalten. Die Temperatur des Flusses Garonne, dessen Fliesswasser den Reaktor kühlt, hatte in den Tagen zuvor den Grenzwert von 28 Grad überschritten. Das Schweizer AKW Beznau, das seine Reaktorblöcke mit Aarewasser kühlt, teilte dann am Dienstag mit, es müsse seine Stromproduktion aufgrund der hohen Flusstemperatur halbieren.

In Frankreich, wo Atomstrom rund siebzig Prozent des nationalen Strommixes ausmacht, führt die Hitze zunehmend zu einem Versorgungsproblem. Trotzdem hält die Regierung von Emmanuel Macron unbeirrt an der Abhängigkeit vom Atomstrom fest, wie der kürzlich vorgelegte «Energieplan» für die nächsten zehn Jahre zeigt. Mehr noch: Der Plan sieht gar den Bau sechs neuer Reaktoren bis 2044 vor. Auch in der Schweiz fordert eine Mehrheit des Parlaments neuerdings den Ausstieg aus dem Atomausstieg: Letzte Woche hat es dem Gegenvorschlag des Bundesrats zur sogenannten Blackout-Initiative zugestimmt, der das Neubauverbot für AKWs aus dem Gesetz streichen will. Die Umweltverbände haben das Referendum gegen den Entscheid angekündigt (vgl. «Blackout im Bundeshaus»).

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