Erfahrungsbericht : «Die Angst stand der Heilung im Weg»
Patricia Purtschert, Berner Professorin für Geschlechterforschung, erzählt von ihrer Genesung.
«Ich fand es sehr hilfreich, einen anderen Zugang zu dieser Krankheit zu finden – wegzukommen von der Idee, mein Körper sei kaputt. Zu jener Zeit lag ich im Berner Inselspital im Bett, hatte keine Kraft, mich zu bewegen. Ich konnte im Tag etwa hundert Meter gehen – schaffte es aufs WC und zurück. Das wars. Meine Grundfunktionen waren schwer beeinträchtigt: Atmung, Verdauung, Schlaf. Ich hatte den Eindruck, alles zerfällt. Und ich hatte Angst vor einer ME/CFS-Diagnose.
Dann las ich den Post einer Betroffenen, der es ähnlich schlecht gegangen und die gesund geworden war. Er war in einer Sprache verfasst, an die ich anknüpfen konnte, nahm Bezug auf wissenschaftliche Konzepte, vor allem solche aus der Forschung über chronische Schmerzen. Mir hat die Theorie eingeleuchtet: Nicht mein Körper ist geschädigt, sondern mein Nervensystem ist aus den Fugen geraten. Das kannte ich: Beim Impfen bin ich schon in Ohnmacht gefallen. Die Erfahrung, dass das Nervensystem wegen einer scheinbaren Kleinigkeit kollabieren kann, war mir vertraut.