Gertrud Vogler : Mit Respekt vor dem ganzen Menschen

Nr. 28 –

Das Porträt als Brennpunkt einer Welt: Vorabdruck eines Beitrags aus dem neuen Buch zur langjährigen WOZ-Fotografin Gertrud Vogler.

eine Person versucht sich nachts eine Spritze mit Heroin zu injizieren auf dem Platzspitz-Areal
«Platzspitz nachts» (1989)

In Quantenphysik, Psychologie und Soziologie, aber auch in der Marktforschung gibt es den sogenannten Beobachtungseffekt. Er beschreibt das Phänomen, dass Menschen – oder Quantenteilchen – sich verändern, wenn sie beobachtet werden. Auch Fotograf:innen können von diesem hartnäckigen Problem ein Lied singen. Das Wissen, dass eine Kamera auf sie gerichtet ist, verwandelt die Menschen in wachsame Observierte, mit absehbaren, leicht verkrampften oder exaltierten Folgen für die Bilder. Umso bemerkenswerter sind die Porträtaufnahmen von Gertrud Vogler (1936–2018). Ihre Sujets scheint es schlicht nicht zu kümmern, dass gerade eine Fotografin in der Nähe ist – und abdrückt.

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