Natur statt Kultur : Wo kein Museum wird
Eine Landschaft wie Malerei und dank Bürger:innenbewegung und Naturschutz ungestörte Vogelhabitate: Fotografische Begegnung mit der Biosphäre Urdaibai im Baskenland.
Schon die Errichtung des heute so populären Guggenheim-Museums in Bilbao war im Baskenland keineswegs unumstritten. Zwar lassen der Museumsbau von Frank Gehry und etwa Richard Serras monumentale Stahlskulpturen im Museum keine:n Besucher:in unbeeindruckt. Doch die Geschichte des Projekts ist auch die einer erfolgreichen Gentrifizierung: Als das Guggenheim 1991 in Angriff genommen wurde, hatte Bilbao gerade eine brutale Deindustrialisierung hinter sich. Um die 100 000 Industriearbeitsplätze, vor allem in der Werft- und Stahlindustrie, waren abgebaut worden – keineswegs nur aus finanziellen, sondern auch aus politischen Gründen. Teile der Schwerindustrie hätten durchaus saniert werden können. Doch die Arbeiter:innenklasse von Bilbao galt als besonders radikal – mit den Werksschliessungen konnten auch allzu kämpferische Gewerkschaften ausgeschaltet werden. Statt auf Industriepolitik setzte die öffentliche Hand auf Massentourismus als neues Wirtschaftsmodell.
Im Rahmen dieser Umstrukturierung wurde das einst so rebellische Bilbao zu einem Tourismusmagnet, und das Guggenheim wurde zum neuen Wahrzeichen der Stadt. Mehr als eine Million Besucher:innen jährlich lockt das Museum mittlerweile an. Unter Stadtplaner:innen ist deshalb von einem Bilbao- oder Guggenheim-Effekt die Rede, wenn eine Stadt durch spektakuläre Architektur erfolgreich aufgewertet wird.