Politische Kunst : Kein Recht auf Recht
In einem Zürcher Restaurant wird dieser Tage nicht nur gespiesen, sondern auch die Geschichte des verwahrten Jenischen Hanspeter Zablonier verhandelt.
Hinter den Schriftzug an der Fassade des Restaurants Schlüssel im Zürcher Seefeld wurde das Wort «bund» gesprayt. Dass das Restaurant, in das letzten Freitagmittag zu einem Medienlunch eingeladen wurde, «Schlüssel» heisst, mag Zufall sein, doch es passt symbolisch zum Anlass. Denn der Mann, der im Zentrum steht, hat weder Schlüssel noch einen Schlüsselbund – er sitzt seit Jahrzehnten verwahrt im Gefängnis: Hanspeter Zablonier wurde vor 27 Jahren wegen eines Gewaltdelikts zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Seine Strafe hat er längst abgesessen, doch aus dem Gefängnis kam er seit seiner Inhaftierung nie mehr.
Wie es dazu kommen konnte, weshalb beim Jenischen und ehemaligen Verdingbub Zablonier jegliches Rechtssystem versagt hat und warum diese Geschichte nicht nur von staatlichem Unrecht, sondern auch von Rassismus erzählt – davon handelt das transdisziplinäre Projekt «Verdingt. Verwahrt.» des Kollektivs #BigDreams. Und es stellt die Frage, wer hier eigentlich vor wem geschützt werden soll: die Gesellschaft vor einem potenziellen Straftäter, wie das suggeriert wird, oder Zablonier vor einer Schweiz, die ihm grosses Unrecht angetan hat.