Best Western : Die schimmernde Welt

Nr. 35 –

Dorothee Elmiger über die Rückseite der Dinge

Im Onlineforum der Rilke-Gesellschaft fragte die Userin «Lina» am 23. Juli 2005: «Nächste Woche reise ich in die USA. Was sagt Rilke über Amerika?» Weniger als 24 Stunden später antwortete Userin «Paula» mit einem Zitat aus einem Brief Rainer Maria Rilkes an seinen polnischen Übersetzer Witold Hulewicz, datiert vom 13. November 1925: «Nun drängen, von Amerika her, leere, gleichgültige Dinge herüber. Schein-Dinge, Lebens-Attrappen  Ein Haus, im amerikanischen Verstande, ein amerikanischer Apfel oder eine dortige Rebe, hat nichts gemeinsam mit dem Haus, der Frucht, der Traube, in die Hoffnung und Nachdenklichkeit unserer Vorväter eingegangen war …» Ein Echo, vielleicht, auf Alexis de Tocqueville, der hundert Jahre zuvor über seine Ankunft in New York schrieb, er habe am Ufer des East River eine Reihe kleiner Marmorpaläste im antiken Stil entdeckt – aber als er am nächsten Tag noch einmal dorthin zurückgekehrt sei, habe er feststellen müssen, dass die Mauern bloss aus getünchtem Backstein und die Säulen aus weiss bemaltem Holz bestanden hätten.

Um diesen Artikel zu lesen, haben Sie drei Möglichkeiten:

Jetzt die WOZ abonnieren Login (für Abonnent:innen) App laden und Einzelausgabe kaufen