Kulturoffensive : Zur Schau gestellte Weltoffenheit

Nr. 35 –

Noch vor zwei Jahrzehnten war Saudi-Arabien vom rigiden Wahhabismus geprägt, nun wird das Kulturschaffen enorm gefördert. Was steckt hinter der kulturpatriotischen Initiative?

Bühnenfoto der saudische Oper «Zarqa Al Yamama»: Seherin Zarqa al Yamama, im Hintergrund eine Gruppe verschleierter Personen und danaben aufgeschichtete Menschen-ähnliche graue Puppen
Soll kulturelle Öffnung demonstrieren: Die allererste saudische Oper (im Bild Sängerin Amelia Wawrzon) ist inspiriert von der sagenhaften Geschichte der Seherin Zarqa al Yamama aus vorislamischer Zeit. Zarqa al Yamama, König-Fahed-Kulturzentrum

Im Jahr 2016 gab die Regierung in Riad ihr ambitioniertes umfassendes Entwicklungsprogramm «Saudi Vision 2030» bekannt. Neben dem Aufbau einer «blühenden Wirtschaft» sieht es an erster Stelle die Schaffung einer «lebendigen Gesellschaft» vor, in der Kultur und Unterhaltung mit Nachdruck gefördert werden sollen. Der Islam und seine Lehren dienen hier zwar noch als Wertekompass, stärker wiegt jedoch der Nationalstolz. Saudi-Arabien wird als ein Land mit einem reichen historischen und kulturellen Erbe gerühmt, dessen Bewahrung die «nationale Einheit» fördern solle. Das Nationale hat auch in der erklärten Verpflichtung Vorrang, die «Restaurierung nationaler, arabischer, islamischer und antiker Kulturstätten» voranzutreiben. Mit kulturellen Veranstaltungen und Museen von Weltklasse wolle man Saudi-Arabiens «herausragenden Platz in der Geschichte und auf der Landkarte der Zivilisationen» vor Augen führen und den Tourismus weiterentwickeln.

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