Ungarn nach Orbán : «Dieser Sommer ist zum Feiern»

Nr. 35 –

Mückenapokalypse, scheu gewordene Oligarchen und eine optimistische Partyjugend: Eine Reise an den Plattensee.

Luxushotel am Plattensee, auf dem See sind Badegäste und ein Segelboot zu sehen
Wohlig heimelig, aber wo früher Schilf wuchs, steht heute ein Luxushotel, und 
der Wasserstand war in diesem Sommer noch niedriger als sonst.

Mein Grossvater sass auf dem Plumpsklo unseres Familienhäuschens am Balaton, als er über eine Ritze in der Tür meine Grossmutter zum ersten Mal erblickte. Laut der Familienlegende wusste er sofort, dass er sie heiraten würde; das «ungarische Meer» hat also gewissermassen meine Grosseltern verkuppelt. Mit Ausnahme von 1944, als er als Jude ihm Ghetto interniert war, war mein Opa jeden Sommer am grössten Binnensee Mitteleuropas. Auch mein Vater verbrachte als Kind meist zwei Monate im Jahr dort und erlebte am Strand den Hoffnungssommer von 1989, als sich das Ende des sozialistischen Systems schon abzeichnete, Europa nah und die Möglichkeiten unbegrenzt schienen. Danach kamen in Ungarn aber harte Jahre, der Kapitalismus entpuppte sich als – gelinde gesagt – gemischte Angelegenheit. Mich tangierte das damals kein bisschen, da nun ich an der Reihe war, mich als Kind in die herrlichen kleinen Abenteuer zu werfen, die der Sommer am See bot.

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