Literatur : Vom Tränengas zum Wasserfall

Nr. 37 –

Häuser besetzen oder besitzen? Das ist in grossen Schweizer Städten keine bloss theoretische Frage. Einst politisch bewegte Besetzer:innen wurden hier über die Jahre schon mal zu regulären Hauseigentümer:innen. In diese Gemengelage sticht genüsslich der Zürcher Autor Micha Lewinsky mit seinem gelungenen zweiten Roman «Freunde von früher». Wobei die alte Wohngemeinschaft darin «ihr» Haus einst nicht besetzt, sondern bloss günstig gemietet hatte. Und ob der nun angedachte Hauskauf Jahrzehnte später im umkämpften Immobilienmarkt gelingen wird, steht in den Sternen. Denn da sitzt bereits eine neue WG in der Dachwohnung  – und macht sich dank begüterter Eltern gleich ans Mitbieten.

Hauptfigur Béla und seine artgerecht bunt zusammengewürfelten einstigen Hausgenoss:innen stehen so plötzlich ihren eigenen alten Ichs im neuen Gewand gegenüber – und schlucken leer. Im unteren Stock erinnert sie derweil ein langjähriger Hausbewohner in seiner mit allerlei Memorabilien vollgestopften Wohnung an ihren Freund Lexi, der nicht mehr lebt und der all die politischen und persönlichen Überzeugungen stets etwas kompromissloser lebte als andere Hausbewohner:innen.

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