Literatur : Wer gewinnt das böse Spiel?
Urs Zürchers «Verschwinden» ist die Geschichte einer Radikalisierung. Der Roman des Basler Schriftstellers hat seinen Ausgangspunkt in einem realen Verbrechen: Am 2. Juli 1989 wird eine Asylunterkunft in Chur angezündet. Alles deutet darauf hin, dass Rechtsextreme die Tat verübt haben. Vier tamilische Bewohner:innen sterben. Die Täter:innen wurden bis heute nicht gefasst.
Der unaufgeklärte Mord und das Versagen der Strafbehörden bilden den Kern der Erzählung, die den Weg dreier vom Autor erfundener Neonazis beschreibt, von der Tatnacht bis in die nahe Gegenwart. David Steiger («Dasti») ist ein sozialer Verlierer, der tief fällt und nachts zum brutalen Tier mutiert. Lisa Graf («die Gräfin») kommt aus der grossbürgerlichen Komfortzone und wird zur Wölfin im Schafspelz. Pierre Koch ist ein undurchsichtiger Typ mit brandgefährlicher Aggressivität.