Übersterblichkeit : Von Daten, Worten und Taten
Die Schweiz schwitzte, Senior:innen starben, und Bundesrat Rösti liess sich davon weder Laune noch Marschrichtung vermiesen. Ein Rückblick auf den Hitzesommer.
Im April 2024 schrieb der Verein Klimaseniorinnen Geschichte. Kopräsidentin Rosmarie Wydler-Wälti, in grüner Strickjacke und blau-violettem Schal, sprach gegenüber SRF mit freudig vibrierender Stimme über ein bahnbrechendes Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR): Ihr Verein hatte in Strassburg gegen die Schweiz geklagt, weil diese sie mit ihrer laschen Klimapolitik direkt an Leib und Leben gefährde. Das sah auch der EGMR so – und urteilte, dass das Land damit gegen die Menschenrechte der Klimaseniorinnen verstosse.
In den politischen Maschinenräumen des gerügten Landes war man darob sehr pikiert: Das Parlament debattierte das Urteil und entschied, man solle es ignorieren. Der Bundesrat liess verlauten, dass er das Urteil «kritisch würdige» und die Schweiz bereits genug mache, um den menschengemachten Klimawandel zu bekämpfen.