Agroforst : Und die Schönheit ist gratis
Kiwis im Rebberg oder Laubfutter für Kühe: Bäume können die Landwirtschaft vielfältiger, klimafreundlicher und erst noch produktiver machen. Aber bewähren sie sich auch in Extremsommern?
Fast sehen sie aus, als wären sie nicht echt, die Apfelbäume von Familie Strauss: voll behangen mit prallen roten Früchten. Wie diese stilisierten Bäumchen, mit denen Economiesuisse vor einigen Jahren für die Bilateralen warb. Unter den Bäumen zetern die Perlhühner des Nachbarbetriebs, und zwischen den Bäumen ragen Stoppeln aus dem Boden: Hier wuchs diesen Sommer Dinkel auf fünf Meter breiten Streifen. «Das ist ökonomisch wahrscheinlich die spannendste Fläche auf dem Betrieb», sagt Jürg Strauss, Landwirt in Rickenbach im Zürcher Weinland. «Die kann man zweimal brauchen: für die Ackerkultur und für die Äpfel. Die Doppelnutzung wiegt fast auf, dass ich als Biobauer im Schnitt zwanzig Prozent weniger Ertrag habe.» Auf anderen Streifen wächst Luzerne. Die Futterpflanze ist verwandt mit Klee, aber erträgt Trockenheit besser. «Diesen Sommer war sie zeitweise fast das Einzige, was am Boden noch grün war», sagt Strauss. Die Baumwurzeln wüchsen unter dem Acker durch und könnten Wasser und Nährstoffe aus der Tiefe holen. «Und die Heugümper können besser fliehen, wenn ich mähe.»