Schauspielhaus : Blendwerk für die Ohren

Nr. 39 –

Die womöglich letzte werktreue Inszenierung der «Dreigroschenoper» lädt in Zürich zum Nachdenken ein: über Vorteile der Heuchelei und das verwickelte Antifa-Erbe von Brechts Erfolgsstück.

Bühnenfoto des Theaterstücks «Die Dreigroschenoper»: das Ensemble steht auf einem Podest auf der Bühne
Polizist oder Gangster? Das spielfreudige Ensemble wechselt von einer Seite des Gesetzes auf die andere. Sandra Then

Als die «Dreigroschenoper» 1935 zum ersten Mal im Zürcher Schauspielhaus gespielt wurde, protestierten faschistische Fröntlerhorden auf der Strasse. Sie wollten das Gastspiel mit Gewalt verhindern – was ihnen nach wenigen Aufführungen auch gelang. Dass die stramm bürgerliche NZZ damals die Kunstfreiheit bedingungslos verteidigte, obwohl der Autor Bertolt Brecht Marxist war und das Stück dem Bürgertum wie dem Kapital schwungvoll an den Karren fuhr, bleibt ein bemerkenswerter historischer Sachverhalt.

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