Sachbuch : Nachhaltig für den Ölriesen
Der Soziologe Andreas Folkers reflektiert umfassend die «fossile Moderne». Das ist unbedingt lehrreich – und hat doch einen blinden Fleck.
Im historischen Rückblick wird das fossile Zeitalter schwer zu begreifen sein. Innerhalb von zwei Jahrhunderten wurden Kohlenstoffablagerungen, die über Hunderte Millionen Jahre durch Sonnenenergie, Fotosynthese und Sedimentierung entstanden waren, aus dem Erdreich gerissen und in Bewegungs- oder Wärmeenergie verwandelt. Die explosionsartige Beschleunigung des gesellschaftlichen Stoffwechsels veränderte die Lebensbedingungen auf dem Planeten so radikal, dass die Voraussetzungen für die Existenz ebendieser Gesellschaften zerstört wurden. Doch selbst dann, als den fossilistischen Gesellschaften dieser Zusammenhang bewusst wurde, erwiesen sie sich als unfähig, auch nur die Geschwindigkeit dieser Entwicklung zu drosseln.
Der Frankfurter Soziologe Andreas Folkers hat über diesen Zusammenhang nun ein Buch geschrieben, das man wohl nur als enzyklopädisch bezeichnen kann. Alles Wissenswerte, das entfernt mit dem Thema zu tun hat, greift Folkers auf. Er zeichnet nach, warum sich die Dampfmaschine in Werkstätten gegen den Wasserantrieb durchsetzte, wie der Begriff der Nachhaltigkeit in die Welt kam, wie die Kohle zum Holz und das Öl zur Kohle kam, ohne dass der Konsum der früheren Energieträger zurückgegangen wäre; er legt dar, was das fossile Energiemodell mit Abstraktion und Beschleunigung zu tun hat, blickt auf die Finanzialisierung der Rohstoffmärkte, auf Wachstumsgrenzen und den sogenannten Peak Oil und erörtert das Phänomen des Plastikmülls.