Die Welt am Donnerstag

Das Plakat der Veranstaltungsreihe mit dem Programm als PDF-Datei.

Präsentiert von der Autonomen Schule Zürich und der Wochenzeitung WOZ.

Ort: Autonome Schule Zürich, Bachmattstrasse 59, 8048 Zürich. Tram Nr. 2 bis Bachmattstrasse.

www.dieweltamdonnerstag.tumblr.com / www.bildung-fuer-alle.ch

Hooligans gegen Salafisten

Die Unterwanderung von Fussballkurven durch Neonazis

Donnerstag, 22.1.2015, 20 Uhr

Mit Dirk Jora (Sänger von Slime) und Daniel Ryser (WOZ-Redaktor)

In Köln randalieren Neonazis unter dem Banner «Hooligans gegen Salafisten», in Dresden treffen sich Tausende zur Demonstration unter dem Banner «Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes», darunter viele Fussballfans. Neu ist das Phänomen nicht: Seit den Siebzigern und den Erfolgen der National Front in England versuchen Neonazis, Kurven zu unterwandern. Stehen die Kurven vor einem neuen Rechtsruck? Welche Gegenstrategien gibt es? Gespräch mit einem «Left-wing-Hooligan», Punkrocker und Fussballexperten.

Fighter, Not Killer

Bewaffnete Gruppen und das Kriegsvölkerrecht

Donnerstag, 29.1.2015, 20 Uhr

Mit Armin Köhli (Geneva Call)

Halten sich bewaffnete Gruppen an das Kriegsvölkerrecht? Warum sollten sie? Wird dieses sogenannte humanitäre Völkerrecht den modernen Konflikten überhaupt noch gerecht? Wie können Zivilist_innen, Gefangene und Verletzte geschützt werden? Als Mitarbeiter der NGO Geneva Call diskutiert Armin Köhli die Prinzipien des Völkerrechts mit palästinensischen Kämpfern, kurdischen Rebellinnen und bewaffneten islamistischen Gruppen in Syrien.

Welche Prostitution wollen wir?

Prostitutionsverbot – Problemlöser oder Populismus?

Donnerstag, 5.2.2015, 20 Uhr

Mit Rebecca Angelini (Fachstelle für Frauenhandel und Frauenmigration [FIZ])

Die Frage, ob Prostitution verboten oder legalisiert werden soll, entzweit Europas Feminist_innen. Wenn es nach Alice Schwarzer geht, ist der Fall klar: Prostitution fördert den Menschenhandel und gehört verboten, die Freier müssen bestraft werden. In der Schweiz kommt ein Expertenbericht des Bundesrats zu einem anderen Befund: Prostituierte sollen rechtlich gestärkt werden. Politische Vorstösse von links bis rechts, die von Besserstellung bis zum Verbot des Gewerbes reichen sowie der vorliegende Expertenbericht: 2015 wird das Jahr sein, indem in der Schweiz politisch die Weichen gestellt werden, welcher Weg eingeschlagen wird.

Zukunft statt Herkunft

Migration und Rechtspopulismus im 21. Jahrhundert

Donnerstag, 12.2.2015, 20 Uhr

Mit Damir Skenderovic (Historiker) und Kaspar Surber (WOZ-Redaktor)

Die Schweiz hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer vielfältigen Gesellschaft gewandelt, doch die Entrechtung der Menschen ohne Schweizer Pass zu Bürger_innen zweiter Klasse schreitet mit immer neuen Volksinitiativen voran. Im Gespräch gehen Damir Skenderovic und Kaspar Surber den neusten Transformationen von Rechtspopulismus und Migrationspolitik nach und werfen dabei auch die Frage auf, ob sie ursächlich miteinander zu tun haben: Verhindert der Rechtspopulismus eine migrantische Gesellschaft, oder ist er vielmehr Ausdruck davon, dass sich diese gerade entwickelt?

Avanti Popolo!

Donnerstag, 19.2.2015, 20 Uhr

Mit Philipp Eigenmann (Erziehungswissenschaftler) und Sarah Baumann (Historikerin)

Sowohl in aktuellen Debatten wie auch im kollektiven Gedächtnis spielen Migrant_innen kaum je eine aktive Rolle. Am Beispiel der italienischen Migrant_innenbewegung geben zwei Vorträge einen Einblick in verschiedene Formen der Selbstermächtigung in der Schweiz der 1960er und 1970er Jahre. Im Speziellen fokussiert wird dabei auf das Engagement für verbesserte Frauen- und Migrantinnenrechte und den Aufbau eigener Bildungsangebote. Die Vorträge machen italienische Migrant_innen als Handelnde sichtbar, thematisieren aber auch die Grenzen emanzipatorischer Aktivitäten.

Kampfzone Kreuzberg

Die Flüchtlingsproteste in Berlin

Donnerstag, 26.2.2015, 20 Uhr

Mit Marcus Staiger (Antifa Berlin, Royal Bunker, Vice.com)

Im April 2014 liess der Berliner Senat ein Protestcamp von Flüchtlingen am Oranienplatz räumen. Eineinhalb Jahre hatten Flüchtlinge aus dem ganzen Bundesland mit ihrer Sichtbarkeit im öffentlichen Raum an die Tragödie der europäischen und internationalen Flüchtlingspolitik erinnert. Marcus Staiger engagierte sich als Koch, Journalist und Sprecher in einer Szene, die zwar von einem grossen Teil der lokalen Bevölkerung unterstützt, gleichzeitig aber von Presse, Polizei und einer grünen Bürgermeisterin drangsaliert wurde.

Feinde Der Freiheit

Von der Verwandlung des öffentlichen Raums in Konsumzonen

Donnerstag, 5.3.2015, 20 Uhr

Mit Daniel Moeckli (Staatsrechtler) Manuela Schiller (Anwältin, Alternative Liste)

Vor zwanzig Jahren begann in der Schweiz die Ära der Rayonverbote und Wegweisungen. Dass bestimmte Personengruppen aus dem öffentlichen Raum fernzuhalten sind, ist mit Verweis auf ein angebliches subjektives Unsicherheitsempfinden weitgehender Konsens. Woher kommt dieser Konsens? Der Soziologe Zygmunt Bauman ist überzeugt, dass der öffentliche Raum in Zukunft nur noch zwei Zwecke erfüllen wird: Verbindung von einem privaten Raum zum nächsten und Konsum. Wird Zürich zum Einkaufszentrum voller staatlicher Bemutterung? Stützen die Entwicklungen der letzten Jahre diese These? Daniel Moeckli habilitierte über das Thema, Manuela Schiller verteidigt Betroffene.

Die Dämonisierung der Arbeiterklasse

Augenzeugenberichte vom Niedergang Englands

Donnerstag, 12.3.2015, 20 Uhr

Mit Marcel Elsener (Journalist)

Owen Jones schrieb das Buch des Jahres, die Sleaford Mods lieferten die passende Platte dazu. Marcel Elsener hat beide in einem Essay zusammengeführt: «Selbstverständlich hassen die Sleaford Mods auch die Typen von der rechtsextremen Ukip, die seien eine ‹vom Sheriff angestellte Scheissbande›. Unter Tory- und New-Labour-Regierungen ist England zum Land mit den weltweit meisten Milliardären geworden, dank einer Sündenbockpolitik, wie sie der Journalist Owen Jones in seinem Buch ‹Prolls. Die Dämonisierung der Arbeiterklasse› beschreibt: ‹Armut gilt nicht mehr als soziales Problem, sondern als moralisches Fehlverhalten von Einzelnen.›» Elsener liest den einen und spielt die Musik der anderen.

Verbotene Identität

Homosexualität im Islam

Donnerstag, 19.3.2015, 20 Uhr

Mit Taner Tanyeri (Queer Amnesty Zürich)

In den meisten islamischen Ländern werden muslimische Homosexuelle diskriminiert, verfolgt, gefoltert, getötet. Ist Homophobie Bestandteil des Islam? Religion wird missbraucht, um Gewalt und Repression zu rechtfertigen. Gleichzeitig nutzen westliche Medien und Politiker homophobe Situationen, um Muslim_innen als rückständig darzustellen. Was bedeutet dies für das Coming-out von homosexuellen Muslim_innen? Und was bedeutet es für das Zusammenleben von homosexuellen und heterosexuellen muslimischen Migrant_innen?

Die Clans, das Geld und die Politik

Die paradoxe Beziehung zwischen Mafia und Demokratie

Donnerstag, 26.3.2015, 20 Uhr

Mit Andreas Fagetti (WOZ-Redaktor, Mafia-Experte)

2014 tauchte im Internet ein Video auf: die Sitzung einer Mafiazelle der italienischen ’Ndrangheta im Thurgau. Besprochen wurden Morde und Kokainhandel. Gleichzeitig terrorisiert die Mafia in Italien Bürgerbewegungen und kritische Journalisten. Mafia in der Schweiz? Sicher nicht! Das war vor zwei Jahren die Antwort des Bundesanwalts Michael Lauber. Andreas Fagetti war schon damals anderer Meinung. Ein Abend über den zerstörerischen Einfluss der Mafia auf Wirtschaft und Gesellschaft und darüber, wie es der kalabrischen Mafia im reichen Norditalien in den letzten Jahren gelungen ist, Wurzeln zu schlagen. Und über die Frage, was dies für die Schweiz bedeutet.

Neue Landnahme

Das Problem der Gratisarbeit im neoliberalen Kapitalismus

Donnerstag, 2.4.2015, 20 Uhr

Mit Tove Soiland (Historikerin)

Emanzipatorische Protestbewegungen «von unten» bringen immer wieder eigene Bildungsprojekte hervor, die die Phase der dynamischen Proteste überdauern und sich als Institutionen festsetzen. Wie den Protestbewegungen als solchen blüht jedoch auch den daraus entstehenden Projekten längerfristig meist die Integration in die Systeme und Strukturen staatlicher, ökonomischer und politischer Art, denen sie sich ursprünglich widersetzten. Um diese Integrationsbewegungen aus einer kapitalistischen Logik zu verstehen, führt der Vortrag ins Theorem der «neuen Landnahme» ein.