«Das gespaltene Katalonien»

Die WOZ-LeserInnenreise ist wegen der Coronapandemie ABGESAGT


Aufgrund der unsicheren Lage müssen wir die Reise leider absagen. Ein neues Reisedatum steht noch nicht fest. Vielen Dank für Ihr Verständnis.


Unabhängigkeitsbewegung, progressive Kommunalpolitik und linke Spielräume

Darf man als TouristIn nach Barcelona reisen, um etwas über die verheerenden Folgen des Massentourismus herauszufinden? Schwierige Frage. Und doch ist ein Ja nicht ganz abwegig – dann jedenfalls, wenn man sich, wie wir das auf WOZ-Reisen stets tun, behutsam bewegt, die touristischen Hotspots umgeht, sich von kompetenten und bedachtsamen Guides leiten lässt und an politisch-sozialen Zusammenhängen interessiert ist.

Barcelona ist ja auch weitaus mehr als eine Touristen-Metropole. In der katalanischen Hauptstadt kämpfte schon früh eine grossteils anarchistisch geprägte ArbeiterInnenbewegung für Freiheit und soziale Rechte, hier kam es Mitte der 1930er Jahre zur sozialen Revolution, von hier strömten 1936 zahllose Freiwillige an die Front, um die Republik gegen die Truppen von Francisco Franco zu verteidigen. Hier trafen sich die Internationalen Brigaden, von hier begaben sich Anfang 1939 Hunderttausende auf die Flucht vor dem Franco-Regime, und hier wehrten sich Anfang der 2010er Jahre viele gegen Zwangsmassnahmen in der Finanzmarktkrise – durch Haus- und Platzbesetzungen, durch die Okkupation von Bankfilialen, durch Grosskundgebungen. Diese Proteste haben 2015 zur Stärkung einer basisnahen, progressiven Wahlallianz geführt, die seither mit Ada Colau an der Spitze die Stadt regiert.

Parallel dazu rückte die Frage nach der nationalen Zugehörigkeit der Region ins Zentrum der politischen Auseinandersetzungen. Seit der spanische Zentralstaat mithilfe der Justiz eine längst überfällige Reform des katalanischen Autonomiestatuts torpedierthe, seit er mit polizeilicher Gewalt gegen BürgerInnen vorgeht, die friedlich an einem symbolischen Unabhängigkeitsreferendum teilnahmen, und seit er PolitikerInnen und AktivistInnen für mehrere Jahre ins Gefängnis schickt, gibt es Massendemonstrationen und Streiks. Spaniens Rechtsparteien unternehmen seit vielen Jahren jede Anstrengung, um die Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien zu unterdrücken. Und schaffen dadurch fast täglich neue SeparatistInnen.

Die BefürworterInnen einer katalanischen Unabhängigkeit haben viele Gründe, sich misshandelt zu fühlen. Was aber erhofft sich die katalanische Linke, allen voran die antikapitalistische Partei CUP, von einem neuen katalanischen Staat? Welchen Fortschritt versprechen sie und andere BefürworterInnen sich von einer Abspaltung von Spanien, die – laut Umfragen – nur knapp die Hälfte der Bevölkerung begrüssen würde?

Diesen Fragen wollen wir auf unserer Reise nach Barcelona nachgehen. Wir erfahren viel über die Geschichte Kataloniens, sprechen mit Befürworterinnen und Gegnern der Unabhängigkeit, treffen AktivistInnen für Frauen-, LGBTI- und ArbeiterInnenrechte, fahren nach Lleida (einer der Hochburgen der katalanischen NationalistInnen), besuchen katalanische NGOs und hören von ZeitzeugInnen, wie sie sich früher gegen Francos Zentralstaat wehrten. Und nicht zuletzt debattieren wir mit ExpertInnen darüber, wie sich eine Gemeinde gegen den Massentourismus wehren kann. Reisen Sie mit!

Dorothea Wuhrer

Reisedaten

23. bis 30. Mai 2020
VERSCHOBEN: 14. bis 21. November 2020
WEGEN CORONAPANDEMIE ABGESAGT

Programm

Das detaillierte Reiseprogramm als PDF zum Download (wird noch angepasst)

Unterkunft / Preise / Leistungen

Preise pro Person (inklusive Frühstück)

Hotel Via Augusta (www.hotelviaaugusta.com)
Doppelzimmer: Fr. 1900.–
Einzelzimmer: Fr. 2180.–

Hostal Abrevadero (www.habcn.es)
Doppelzimmer: Fr. 1730.–
Einzelzimmer: Fr. 1900.–

Normalerweise buchen die allermeisten Mitreisenden das Hotel, das unsere KooperationspartnerInnen aussuchen. Wenn sinnvoll und möglich, bieten wir auch billigere Unterkünfte an (Hostels, Jugi), die meist von zwei bis vier Personen gebucht werden. Oft liegen sie in einiger Entfernung zu unseren Treffpunkten. In Barcelona beträgt die Distanz zwischen Hotel Via Augusta und Hostal Abrevadero vier Kilometer.

Nur Programm: Fr. 1400.–

Die einzelnen Programmpunkte der Reise werden ins Deutsche übersetzt.

Die Hin- und Rückreise nach und von Barcelona muss individuell organisiert werden und ist nicht im Preis inbegriffen. Tipp: Es gibt gute Zugverbindungen über Paris.

Die angegebenen Preise sind Richtpreise, die sich je nach Wechselkurs und Anzahl TeilnehmerInnen noch leicht ändern können. Individuelle Wünsche wie zum Beispiel Aufenthaltsverlängerungen können Sie bei der Anmeldung im Bemerkungsfeld angeben. Wir versuchen, diese zu organisieren, können aber keine Garantie dafür abgeben. Wir informieren Sie jeweils so bald wie möglich. Zwei gemeinsame Mahlzeiten sind im Reisepreis inbegriffen. Auf dem Programm finden Sie die entsprechenden Hinweise.

Die Reise wird fotografisch dokumentiert. Ausserdem nehmen wir – wenn möglich – die Referate und Gespräche auf. Die Bilder und Tonaufnahmen werden allen Mitreisenden später zur Verfügung gestellt.

Literatur

Belletristik:

  • Jorge Semprún: «Zwanzig Jahre und ein Tag». Roman. Suhrkamp. Frankfurt a. M. 2006
  • Arthur Koestler: «Ein spanisches Testament». Europa Verlag. Zürich 2005
  • Robert Cohen: «Exil der frechen Frauen». Roman. Rotbuch Verlag. Berlin 2009. Vergriffen, erscheint demnächst wieder im Unionsverlag
  • Ruth Rewald: «Vier spanische Jungen». Pahl-Rugenstein-Verlag. Köln 1987

Sachbücher:

  • Walther L. Bernecker: «Anarchismus und Bürgerkrieg. Zur Geschichte der Sozialen Revolution in Spanien 1936–1939». Verlag Graswurzelrevolution. Heidelberg 2006
  • Vera Bianchi: «Feministinnen in der Revolution. Die Gruppe Mujeres Libres im Spanischen Bürgerkrieg». Unrast Verlag. Münster 2003
  • «Rebellisches Barcelona». Ein alternativer Stadtführer. Nautilus. Hamburg 2007
  • Erich Hackl (Hg.): «So weit uns Spaniens Hoffnung trug. Erzählungen und Berichte aus dem Spanischen Bürgerkrieg». Rotpunktverlag. Zürich 2016
  • Peter Huber/Ralph Hug: «Die Schweizer Spanienfreiwilligen. Biografisches Handbuch». Rotpunktverlag. Zürich 2009
  • Ralph Hug: «Schweizer unter Franco. Eidgenössische Diplomatie und die vergessenen Opfer der Franco-Diktatur 1936–1947». Rotpunktverlag. Zürich 2013
  • Paul Preston: «The Spanish Holocaust». HarperCollins. London 2012
  • George Orwell: «Mein Katalonien. Bericht über den Spanischen Bürgerkrieg». Diogenes. Zürich 2003
  • Carlos Callado Seidel: «Kleine Geschichte Kataloniens». Verlag C.H. Beck. München 2018

Texte in der WOZ: