«Vorbild Barcelona?»

WOZ-Leser:innenreise vom 10. bis 17. September 2022

Was eine fortschrittlich regierte Stadt tun kann, um die Herausforderungen unserer Zeit (Klimaerwärmung, Migration, Wohnungsnot, soziale Not, Rassismus …) zu bewältigen. Und wo die Grenzen liegen.

Darf man als Tourist:in nach Barcelona reisen, um etwas über die verheerenden Folgen des Massentourismus herauszufinden? Schwierige Frage. Und doch ist ein Ja nicht ganz abwegig – dann jedenfalls, wenn man sich, wie wir das auf WOZ-Reisen stets tun, behutsam bewegt, die touristischen Hotspots umgeht, sich von kompetenten und bedachtsamen Guides leiten lässt und an politisch-sozialen Zusammenhängen interessiert ist.

Barcelona ist ja auch weitaus mehr als eine Touristenmetropole. In der katalanischen Hauptstadt kämpfte schon früh eine grossteils anarchistisch geprägte Arbeiter:innenbewegung für Freiheit und soziale Rechte, hier kam es Mitte der 1930er Jahre zur sozialen Revolution, von hier strömten 1936 zahllose Freiwillige an die Front, um die Republik gegen die Truppen von Francisco Franco zu verteidigen. Hier trafen sich die Internationalen Brigaden, von hier begaben sich Anfang 1939 Hunderttausende auf die Flucht vor dem Franco-Regime, und hier wehrten sich Anfang der 2010er Jahre viele gegen Zwangsmassnahmen in der Finanzmarktkrise – durch Haus- und Platzbesetzungen, durch die Okkupation von Bankfilialen, durch Grosskundgebungen. Diese Proteste haben 2015 zur Stärkung einer basisnahen, progressiven Wahlallianz geführt, die seither mit Ada Colau an der Spitze die Stadt regiert.

Parallel dazu rückte die Frage nach der nationalen Zugehörigkeit der Region ins Zentrum der politischen Auseinandersetzungen. Seit der spanische Zentralstaat mithilfe der Justiz eine längst überfällige Reform des katalanischen Autonomiestatuts torpedierte, seit er mit polizeilicher Gewalt gegen Bürger:innen vorgeht, die friedlich an einem symbolischen Unabhängigkeitsreferendum teilnehmen, und seit er Politiker:innen und Aktivist:innen hinter Gittern setzt, wird immer wieder demonstriert – zum Beispiel am katalanischen Nationalfeiertag, dem 11. September.

Die Befürworter:innen einer katalanischen Unabhängigkeit haben viele Gründe, sich misshandelt zu fühlen. Was aber erhofft sich die katalanische Linke, allen voran die antikapitalistische Partei CUP, von einem neuen katalanischen Staat? Welchen Fortschritt versprechen sie und andere Befürworter:innen sich von einer Abspaltung von Spanien, die aber nicht einmal die Hälfte der Bevölkerung begrüssen würde?

Mindestens genauso wichtig wie diese Fragen ist aber: Welche Antworten kann eine progressiv regierte Stadt auf die Herausforderungen unserer Zeit finden? Wie und mit welchen Massnahmen begegnet die Verwaltung dem Klimawandel? Was tut Barcelona gegen die Wohnungsnot? Wie reagiert sie auf Migration und Rassismus? Wo stehen die Basisbewegungen heute? All dem gehen wir auf unserer Reise nach Barcelona nach. Wir erfahren viel über die Geschichte Kataloniens, erleben am Nationalfeiertag die Unabhängigkeitsbewegung, treffen Aktivist:innen für Frauen-, LGBTI- und Arbeiter:innenrechte, fahren nach Cardedeu (einem kooperativ geprägten Ort), debattieren mit Mieter:innen, Migrant:innen und Putzfrauen über ihre Kämpfe, lassen uns von Gemeindevertreter:innen über die Lokalpolitik informieren – und hören von Zeitzeug:innen, wie sie sich früher gegen Francos Zentralstaat wehrten. Reisen Sie mit!

Dorothea Wuhrer

Reisedaten

10. bis 17. September 2022

Programm

Das detaillierte Reiseprogramm als PDF zum Download

Unterkunft / Preise / Leistungen

Preise pro Person (inklusive Frühstück)

Hotel Via Augusta (www.hotelviaaugusta.com)
Doppelzimmer: 1900.– CHF
Einzelzimmer: 2200.– CHF

Nur Programm: 1400.– CHF

Die einzelnen Programmpunkte der Reise werden ins Deutsche übersetzt.

Die Hin- und die Rückreise nach und von Barcelona müssen individuell organisiert werden und sind nicht im Preis inbegriffen. Tipp: Es gibt gute Zugverbindungen über Paris oder Lyon. Und vielleicht hat auch schon der versprochene Nachtzug seinen Dienst aufgenommen.

Die angegebenen Preise sind Richtpreise, die sich je nach Wechselkurs und Anzahl Teilnehmer:innen noch leicht ändern können. Individuelle Wünsche wie zum Beispiel Aufenthaltsverlängerungen können Sie bei der Anmeldung im Bemerkungsfeld angeben. Wir versuchen, diese zu berücksichtigen, können aber keine Garantie dafür abgeben. Wir informieren Sie jeweils so bald wie möglich. Zwei gemeinsame Mahlzeiten sind im Reisepreis inbegriffen. Auf dem Programm finden Sie die entsprechenden Hinweise.

Die Reise wird fotografisch dokumentiert. Ausserdem nehmen wir – wenn möglich – die Referate und die Gespräche auf. Die Bilder und die Tonaufnahmen werden allen Mitreisenden später zur Verfügung gestellt.

Anmeldeschluss ist der 18. August 2022.

Anmeldung

Gerne nehmen wir Ihre Reservation sobald wie möglich, spätestens aber bis Donnerstag, 18. August 2022, entgegen (Anmeldefrist verlängert).

Hier gehts zum Anmeldeformular: Anmeldeformular Barcelona

Bitte beachten Sie, dass die Zahl der Reiseteilnehmer:innen beschränkt ist. Eine frühzeitige Anmeldung lohnt sich, da einzelne Reisen jeweils schnell ausgebucht sind.
Für den Fall, dass die Mindestzahl Reisender unterschritten wird, behält sich die WOZ eine Verschiebung oder Stornierung der Reise vor. Kurz nach dem Anmeldeschluss wird Ihnen mitgeteilt, ob die Reise stattfindet.

Bei Fragen zu dieser Reise wenden Sie sich per E-Mail an unterwegs@woz.ch, oder rufen Sie uns an: +41 (0)44 448 14 83. Wir freuen uns, wenn Sie mit uns reisen.

Literatur

Belletristik:

  • Jorge Semprún: «Zwanzig Jahre und ein Tag». Roman. Suhrkamp. Frankfurt a. M. 2006.
  • Arthur Koestler: «Ein spanisches Testament». Europa Verlag. Zürich 2005.
  • Robert Cohen: «Exil der frechen Frauen». Roman. Unionsverlag. Zürich 2020.
  • Ruth Rewald: «Vier spanische Jungen». Pahl-Rugenstein-Verlag. Köln 1987.

Sachbücher:

  • Walther L. Bernecker: «Anarchismus und Bürgerkrieg. Zur Geschichte der Sozialen Revolution in Spanien 1936–1939». Verlag Graswurzelrevolution. Heidelberg 2006.
  • Vera Bianchi: «Feministinnen in der Revolution. Die Gruppe Mujeres Libres im Spanischen Bürgerkrieg». Unrast Verlag. Münster 2003.
  • «Rebellisches Barcelona». Ein alternativer Stadtführer. Nautilus. Hamburg 2007.
  • Erich Hackl (Hg.): «So weit uns Spaniens Hoffnung trug. Erzählungen und Berichte aus dem Spanischen Bürgerkrieg». Rotpunktverlag. Zürich 2016.
  • Peter Huber/Ralph Hug: «Die Schweizer Spanienfreiwilligen. Biografisches Handbuch». Rotpunktverlag. Zürich 2009.
  • Ralph Hug: «Schweizer unter Franco. Eidgenössische Diplomatie und die vergessenen Opfer der Franco-Diktatur 1936–1947». Rotpunktverlag. Zürich 2013.
  • Paul Preston: «The Spanish Holocaust». HarperCollins. London 2012.
  • George Orwell: «Mein Katalonien. Bericht über den Spanischen Bürgerkrieg». Diogenes. Zürich 2003.
  • Carlos Callado Seidel: «Kleine Geschichte Kataloniens». Verlag C.H. Beck. München 2018.

Texte in der WOZ:

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