Nr. 35/2017 vom 31.08.2017

Grundlagen

Datensparsamkeit

Mit dem Internet verbunden zu sein, bedeutet, Spuren zu hinterlassen. Da wir nur schwer überprüfen können, ob jemand (und wer) im Hintergrund mitliest, lautet das wirksamste Datenschutzprinzip noch immer: Weniger ist mehr. Daten, die nicht ins Netz gelangen, brauchen erst gar nicht geschützt zu werden.

Personenbezogene Angaben wie Name, Adresse, Geburtstag, Telefon-, Konto- oder Versicherungsnummern, aber auch Fotos und Videos sind für Datenhändler besonders lukrativ und sollten ausschliesslich bei vertrauenswürdigen Diensten hinterlegt werden. Ist ein Angebot «gratis», ist davon auszugehen, dass sich der Dienst mitunter durch den Verkauf von Daten finanziert. Das gilt in besonderem Mass für die sozialen Medien wie Facebook, Instagram oder Twitter.

Zudem vergessen wir oft, dass wir Entscheidungsmacht haben: Nicht alles, was übers Internet erledigt werden kann, muss auch übers Internet erledigt werden. Wir müssen unsere Bücher nicht bei Amazon, unsere Schuhe nicht bei Zalando kaufen. Deren Produkte sind auch deshalb so günstig, weil wir mit unseren Daten ein grosszügiges Trinkgeld bezahlen.

Wichtig: Wenn man sich via Smartphone mit dem Internet verbindet, geschieht das in der Regel über Apps. Lädt man sich eine neue App auf das Smartphone, fragt sie bei der Installation nach Zugriffen. Auf die Kontakte, den Ortungsdienst, auf die Kamera, das Mikrofon, auf die Bildergalerie. Grundsätzlich sollten die Zugriffe auf das Minimum reduziert und wann immer möglich deaktiviert werden.

Mächtige Techkonzerne

Fünf US-Giganten dominieren das Internet: Google (Alphabet), Amazon, Facebook, Apple und Microsoft. Sie halten monopolartige Stellungen in etlichen Geschäftsbereichen wie den sozialen Netzwerken (Facebook) oder den Suchanfragen (Google). Gemeinsam steuern und überwachen sie den Informationsfluss im Internet. Sie unterhalten Infrastruktur wie Serverfarmen und Glasfasernetze, sie bauen die Geräte, mit denen wir kommunizieren, sie sind im Besitz der Programme, die wir nutzen. Dabei sammeln sie praktisch uneingeschränkt Daten über uns. Diese Daten verknüpfen sie zu komplexen Persönlichkeitsprofilen und verkaufen sie an Kunden aus Wirtschaft und Politik. Darüber hinaus werden diese Informationen von Geheimdiensten abgeschöpft, wie der Whistleblower Edward Snowden belegt hat. Immer wieder kommt es auch zu Fällen von wirtschaftlichem Missbrauch. Im Juni 2017 wurde Google von der EU zu einer Strafe von 2,4 Milliarden Euro verurteilt, weil der Konzern konsequent Suchresultate manipuliert hatte. So nützlich die Dienste der Giganten auch sind: Sie haben eine Macht entwickelt, die sowohl wirtschaftlich als auch demokratisch bedenklich ist. Um ihre Dominanz nicht weiter zu stärken, sollten sie wo immer möglich umgangen werden.

Passwörter

Passwörter sind wie Hausschlüssel. Wer sie hat, dem öffnen sich die Türen zu unseren Daten. Für den Schutz der Privatsphäre sind sie zentral. Jedes Gerät, jede Festplatte, jeder Account, jedes Netzwerk sollte mit je einem eigenen Passwort gesichert werden. Ein hinreichend sicheres Passwort ist mindestens fünf zufällige Wörter oder zwölf Zeichen lang, beinhaltet Klein- und Grossbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen und lässt sich nicht herleiten aus personenbezogenen Angaben wie Name, Geburtstag oder Wohnort. Profile auf sozialen Netzwerken sind für BetrügerInnen dankbare Quellen, um an Passworthinweise zu gelangen (Name des Haustiers, Zitat der Lieblingsband). Auf keinen Fall sollten Standardkombinationen wie «12345», «admin» oder der Name des Netzwerks gewählt werden.

Apropos Hausschlüssel: Immer wieder kommt es zu Wohnungseinbrüchen, weil DiebInnen über Facebook in Erfahrung bringen, dass die BewohnerInnen gerade Ferien im Ausland machen.

Betriebssysteme

Auf den allermeisten Geräten ist eines der fünf folgenden Betriebssysteme installiert: Android (Google) oder iOS (Apple) bei mobilen Geräten wie Smartphones oder Tablets; Windows (Microsoft), MacOS (Apple) oder Linux (unabhängig) bei PCs. Grundsätzlich gilt: Kein Betriebssystem garantiert vollständige Sicherheit.

Die Sicherheitsupdates der Hersteller helfen, Lücken zu schliessen. Sie halten Betriebssysteme auf dem aktuellsten Stand und sollten jeweils schnellstmöglich installiert werden. Wie verhängnisvoll veraltete Betriebssysteme sein können, zeigte die Cyberattacke Wannacry im Mai 2017. Damals drangen Kriminelle durch «alte» Sicherheitslücken im Windows-Betriebssystem in Tausende von Computern ein und erpressten Lösegeld.

Während Apple regelmässig Sicherheitsupdates für seine Betriebssysteme liefert und die NutzerInnen zur Aktualisierung auffordert, sind die Hersteller von Android Geräten nachlässiger.

  • Linux
  • Android
  • Windows
  • ios
  • MacOs

Back-up

Festplatten können kaputtgehen, Handys oder Computer gestohlen werden. Daher ist es unverzichtbar, eine Kopie (Back-up) der wichtigsten Daten zu besitzen. Am besten legt man sie auf einer persönlichen externen Festplatte ab, die nicht mit dem Internet verbunden ist. Onlinespeicher bergen das grössere Risiko, Ziel von Kriminellen und staatlichen Akteuren zu werden. Da aber auch die persönliche Festplatte entwendet (Einbruch) oder zerstört (Feuer, Wasser) werden kann, sollte sie an einem sicheren Ort aufbewahrt werden.

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