Nr. 35/2017 vom 31.08.2017

Eine kurze Anleitung zur Digitalen Selbstverteidigung

«Mit der Seilbahn!» lautete eine häufige Antwort, als der Bundesrat in der Volkszählung von 1980 wissen wollte, wie die BürgerInnen den Weg zur Arbeit zurücklegten. Landauf, landab sabotierten Menschen die Umfrage mit Falschangaben. Sie fürchteten um ihre Privatsphäre.

Hätte man sie mit den heutigen Verhältnissen konfrontieren können, wären sie wahrscheinlich in Schockstarre verfallen.

Mithilfe der im Nachrichtendienstgesetz (NDG) verankerten Kabel­aufklärung­ kann der Schweizer Geheimdienst sämtliche Telekommunikationsverbindungen ins Ausland nach definierten Stichwörtern durchsuchen. Da der ­grösste Teil unserer alltäglichen Kommunikation über Server ausserhalb der Schweiz abgewickelt wird, entgeht dem Geheim­dienst praktisch nichts mehr. Darüber hinaus ermöglicht es die ­Vorratsdatenspeicherung, das Kommunikationsverhalten und das Kontaktnetz sämtlicher BürgerInnen für sechs Monate zu speichern: Wer hat wann, wo, wie und mit wem kommuniziert? Gegen die Vorratsdatenspeicherung hat die Digitale Gesellschaft Klage erhoben, die beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte hängig ist. Zudem hat sie eine Beschwerde gegen die Kabelaufklärung ans Bundesverwaltungsgericht weitergezogen. Der Entscheid steht noch aus.

Staatliche Überwachung in diesem Ausmass wäre undenkbar ohne die Infrastruktur der US-amerikanischen Techkonzerne. Die Geräte von Apple, die Programme von Microsoft, die Dienste von Google sind so konstruiert, dass Daten im grossen Stil gesammelt, analysiert und verkauft werden können. Die Datenabsauger in dieser gigantischen staatlich-privatwirtschaftlichen Überwachungsmaschinerie sind uns bestens bekannt: Sie heissen Whatsapp, Gmail, Facebook, Google Docs … Tagtäglich füttern wir sie mit Informationen.

Dabei gibt es Alternativen, die uns vor Eingriffen in unsere Privatsphäre besser schützen als die datenhungrigen Konzerne. In diesem Ratgeber stellen wir sie vor.

Die Alternativen versprechen ­Anonymität, geben weniger oder keine Daten an Dritte weiter, verschlüsseln Nachrichten, legen den Quellcode offen und schaffen damit Transparenz über die Funktionsweise des Programms. Sie betreiben ihre Server in Staaten mit strengen Datenschutzgesetzen oder sichern Informationen dezentral.

Absolute Datensicherheit können auch sie nicht gewährleisten. Aber ihre Nutzung verhindert, dass immer mehr Informationen bei immer weniger Instanzen zusammenfliessen. Und sie helfen uns, die Hoheit über unsere Daten zurückzugewinnen.

WOZ, Digitale Gesellschaft, CCC-CH und Stiftung für Konsumentenschutz

Mitarbeit: Jan Jirát, Donat Kaufmann, Christoph Laszlo, Hernani Marques, Arian Sanusi
Erstmals erschienen als Beilage der Wochenzeitung WOZ Nr. 35 vom 31. August 2017; leicht überarbeitet und ergänzt im Oktober 2018.

P.S: Wichtige und weniger alltägliche Begriffe erläutern wir im Glossar. Im Text sind sie ausgezeichnet.

Alle Texte dieses Ratgebers sind unter einer Creative Commons Lizenz (CC-BY-SA 4.0) lizenziert und dürfen entsprechend frei verwendet / verändert werden.

Mitherausgeber

Digitale Gesellschaft

Die Digitale Gesellschaft ist eine gemeinnützige Organisation, die sich seit 2011 für Grund-, Menschen-, BürgerInnen- sowie KonsumentInnenrechte im Internet einsetzt. Das Ziel sind der Erhalt und die Förderung einer offenen und nachhaltigen Gesellschaft.

www.digitale-gesellschaft.ch

Chaos Computer Club Schweiz

Der Chaos Computer Club Schweiz (CCC-CH) setzt sich für das Recht auf Privatsphäre und Informationsfreiheit ein. Regionale Hackerspaces sind für alle Interessierten offen.

www.ccc-ch.ch

Konsumentenschutz

Der Konsumentenschutz bietet unabhängige Information und Beratung. Er vertritt die Interessen der KonsumentInnen gegenüber Anbietern, Gesetzgeber und Behörden. Im Zug der Digitalisierung kämpft er für die Wahrung der Privatsphäre und mehr Schutz vor Cyberkriminalität.
www.konsumentenschutz.ch

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