Nr. 47/2012 vom 22.11.2012

«Dorthin kann ich nicht zurück»

Von Alice Rombach

Ousmane Camara hatte als Student in Guinea für eine gerechte Bildungspolitik gekämpft. Nach einer Demo wurde er verhaftet und im Gefängnis gefoltert. Nach der Entlassung kämpfte er weiter. Als die Repression zu gross wurde, floh er nach Europa.

Sarah Buedi ist mit sechzehn Jahren nach einem Streit mit ihrer Familie aus der Elfenbeinküste nach Ghana migriert, von dort nach Nigeria und wieder zurück nach Ghana. Als sie nach Europa kam, hatte sie bereits viele Jahre des Aufbruchs und der Ankunft hinter sich.

«Dorthin kann ich nicht zurück – Flüchtlinge erzählen» stellt der üblichen Berichterstattung eine andere Erzählung entgegen. Die Idee entstand in einem AsylbewerberInnenheim in Niederösterreich. Fast alle Erzählenden befinden sich dort in laufenden Asylverfahren.

Über die Ursachen und Visionen der Menschen, die unter den Begriff «Flüchtlinge» zusammengefasst werden, ist wenig bekannt. Hier stellen Sans-Papiers selbst ihre Lebensgeschichten dar: 25 Paare aus Erzählenden und Zuhörenden, Menschen mit und ohne Papiere, haben gemeinsam eine Geschichte festgehalten. In vielen Erzählungen spielt die Angst mit und bleibt manches unerwähnt. So sind es Erzählungen, die sich auch widersprechen können: Gegenerzählungen zu den Verhören, die die Berichte der Asylsuchenden daraufhin prüfen, ob sie in sich logisch und eindeutig erscheinen.

Asylverfahren ziehen sich häufig über Jahre hin. Währenddessen erhalten die Flüchtlinge im Heim wenig Taschengeld, haben kaum Bewegungsfreiheit und dürfen weder eine Ausbildung noch eine Erwerbstätigkeit aufnehmen. Die Ohnmacht des Wartens und die Hoffnung, Papiere zu bekommen, werden in den Geschichten spürbar. Aber auch der Drang, das Leben selbst zu gestalten. Vor allem ist die Absicht der AutorInnen spürbar, vorherrschende Bilder, in denen Asylsuchende als Kriminelle oder als Opfer dargestellt werden, zu durchbrechen.

Am Ende befindet sich ein detaillierter Überblick über die rechtliche Situation für AsylbewerberInnen in Österreich, der Schweiz und Deutschland. Alice Rombach

 

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