Nr. 50/2009 vom 10.12.2009

Täter, Opfer, Profiteurinnen

Von Pit Wuhrer

Manchmal muss einer klimaschädigend um die Welt jetten, um herauszufinden, was los ist. Und um zu zeigen, wie erbarmungslos die Handlungen der einen den anderen die Existenzgrundlage rauben. Bernhard Pötter hat dies getan und in einem Reportageband die Ergebnisse seiner Recherchen präsentiert. Der Klimawandel, so ein Fazit seiner Untersuchungen, «ist gnadenloser als Globalisierung und Kalter Krieg», weil es «anders als bei der Globalisierung (...) keine Nischen» gebe und «anders als beim Kalten Krieg Nichtstun nicht das Überleben» sichere – «ganz im Gegenteil».

Pötter beschreibt in 26 Reportagen und Analysen die Täterinnen, die Opfer und die Profiteure der Katastrophe, deren Ausmass beständig wächst. Er schildert Beweggründe und Lebensumstände, liefert Fakten und Zitate, und ab und an spottet er auch mit gutem Grund über hilflose Bemühungen wie beim «Geschäft mit dem schlechten Gewissen»: «Treppensteigen und andere Luftbuchungen» heisst eines seiner Kapitel.

Der Autor hat sich die Sache nicht leicht gemacht. Er war im Zentrum der US-Ölindustrie in Houston und hat dort die Verantwortlichen zur Rede gestellt. Er besuchte Kohlekraftwerke in Deutschland, sprach mit brasilianischen Politikerinnen und Wissenschaftlern, die den Klimawandel für einen Mythos halten. Er beobachtete Meeresbiologinnen bei der Arbeit, berichtete über Klimaflüchtlinge in Bangladesch (siehe Pötters Text in WOZ Nr. 16/08), protokollierte die Aussagen von Gletscherforschern und überprüfte die Angaben von Rückversicherungskonzernen und AKW-Betreibern. «Grüne» Investmentbanker, die gerade die nächste Finanzblase aufpumpen helfen, kommen zu Wort wie auch Gentechfirmen, die sich von der Entwicklung «klimaresistenter» Pflanzen einen Durchbruch erhoffen. Auch wenn manches etwas überholt ist (das Manuskript wurde vor dem Kollaps der Finanzmärkte fertiggestellt): Wer ein faktenreiches, gut geschriebenes Buch über die Ursachen und die vielfältigen Auswirkungen des Klimawandels lesen will, greift hier nicht daneben.

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