Nr. 23/2006 vom 08.06.2006

Aus den Fugen

Von Bettina Dyttrich

Die Gletscher schmelzen so schnell, dass den GlaziologInnen schwindlig wird. In den meisten Skigebieten geht ohne Kunstschnee gar nichts mehr. Im Wallis sterben ganze Föhrenwälder, weil ihnen das Wetter nicht mehr behagt. Monatelang regnet es gar nicht, dann drei Tage am Stück: Das Klima ist aus den Fugen, auch in der Schweiz.

Die Klimaforscherin Martine Rebetez hat mit «Helvetien im Treibhaus» ein Buch geschrieben, das die Auswirkungen des Klimawandels auf die Schweiz gut verständlich erklärt. Rebetez fasst zusammen, was über die Entstehung und Veränderung des Klimas bekannt ist. Sie erläutert, wie heftigere Stürme, schmelzende Gletscher und höhere Schneefallgrenzen das Leben in der Schweiz verändern. Seitenblicke auf die globale Situation ergänzen die Prognose.

«Helvetien im Treibhaus» ist ein gutes Grundlagenwerk für alle, die sich mit dem Thema beschäftigen wollen, aber ein Lesevergnügen ist es nicht. Die Sprache ist umständlich, die Übersetzung aus dem Französischen zum Teil holprig. Das Buch beschränkt sich auf das Aufzählen von Fakten, Personen kommen hingegen kaum vor.

Im angelsächsischen Raum erscheinen immer wieder ausgezeichnete Sachbücher für das breite Publikum. In diesen Büchern beginnt häufig jedes Kapitel mit einer Reportage, bevor dann die Hintergründe erklärt werden. Für «Helvetien im Treibhaus» wäre diese Arbeitsweise ideal gewesen: Ausflüge in verschiedene Regionen der Schweiz, zu Bergbäuerinnen, Förstern, Glaziologinnen und Unwettergeschädigten, hätten das Buch interessanter gemacht. Die Auseinandersetzung mit der Klimaveränderung ist dringend nötig, aber sie sollte auch spannend zu lesen sein.

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