Meldungen des Monats

Le Monde diplomatique –

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In den letzten sechs Monaten wurden mindestens 20 afghanische Journalisten, die in Pakistan im Exil lebten, von der Polizei festgenommen und gewaltsam nach Afghanistan abgeschoben, wo ihnen Strafverfolgung durch das Taliban-Regime droht. In Pakistan warten derzeit fast 200 afghanische Medienschaffende – häufig schon seit Jahren – auf Visa für Drittländer, die immer seltener gewährt werden. Deshalb droht auch ihnen und ihren Familien die Deportation nach Afghanistan.

In Indien ließ die Obrigkeit des Unionsterritoriums Jammu und Kaschmir am 20. November die Redaktionsräume der Kashmir Times in der Stadt Jammu durchsuchen Die englischsprachige Kashmir Times, die 1954 gegründet wurde, erscheint bereits seit Jahren nur noch als Onlineausgabe. Ihrer Chefredakteurin Anuradha Bhasin droht jetzt ein Verfahren wegen „Bedrohung der Souveränität und Integrität“ das Landes. Die Begründung: Sie habe die Zeitung als „Plattform zur Verbreitung aufständischer und separatistischer Ideologien“ missbraucht.

In der Türkei wurde der Journalist Fatih Altaylı am 26. November zu einer Haftstrafe von vier Jahren und zwei Monaten verurteilt. Ein Istanbuler Gericht sprach ihn der „Bedrohung des Präsidenten“ schuldig, obwohl selbst die Staatsanwaltschaft keinen Beleg für diesen Vorwurf gesehen hatte. Der Journalist hatte Umfragen zitiert, wonach 70 Prozent der Bevölkerung eine lebenslange Präsidentschaft Erdoğans ablehnen und darauf verwiesen, dass einige Sultane im Osmanischen Reich kein langes Leben hatten, weil sie erdrosselt wurden. Seit Anfang 2025 wurden in der Türkei etwa 20 Medienschaffende verhaftet, von denen außer Altaylı noch drei im Gefängnis sitzen. Mit Tele 1 wurde außerdem einer der letzten oppositionellen TV-Sender geschlossen. Dessen Chefredakteur Merdan Yanardağ wird vorgeworfen, einem „Spionagering“ anzugehören, der angeblich von dem inhaftierten Istanbuler Bürgermeister Ekrem İmamoğlu geführt wurde.

In den USA forciert die Trump-Administration ihren Feldzug gegen Medien und Journalist:innen. Seit Neuestem veröffentlicht das Weiße Haus auf seiner Website eine Rubrik unter dem Titel „Irreführend – Einseitig – Überführt“. Darin werden Medienschaffende, die nicht nach dem Gusto Trumps berichten, als „Missetäter der Woche“ angeprangert. In einer „Hall of Shame“ werden journalistische Beiträge als „Lügen“ oder „linker Wahnsinn“ abgestempelt, ohne sie inhaltlich zu widerlegen. In der Trumps Schusslinie stehen Printmedien wie die Washington Post, die New York Times, Boston Globe und das Wall Street Journal sowie die TV-Sender MSNBC (jetzt MS Now), CNN und CBS News. In seinen Pressekonferenzen attackiert der Präsident insbesondere Journalistinnen mit persönlichen Beleidigungen: die Bloomberg-Mitarbeiterin Catherine Lucey beschimpfte er als „piggy“, die CBS-Journalistin Nancy Cordes als „dumme Person“ und die New-York-Times-Reporterin Katie Rogers bezeichnete Trump auf seiner Plattform Truth Social als „innerlich wie äußerlich hässlich“.