Im Affekt: Wutburger mit Pommes, bitte
«Wer denkt, ist nicht wütend», heisst es irgendwo bei Adorno, allerdings hatte der Philosoph auch leicht reden, wollte ihm doch, soweit überliefert ist, nie jemand ein Fastfoodrestaurant vor die Haustür pflanzen. Im Zürcher Niederdorf indes sorgt genau ein solches Vorhaben für Gefühlswallungen: Im Haus am Limmatquai 48 soll eine McDonald’s-Filiale eröffnet werden. Der Versicherungskonzern Swiss Life, dem das Gebäude gehört, hat mit der US-Fastfoodkette einen Mietvertrag abgeschlossen. Trotzdem ist ungewiss, ob dort je zwei gelbe Bögen prangen werden.
Dagegen setzen sich nämlich Anwohner:innen juristisch zur Wehr, weil sie bei Öffnungszeiten bis in die Morgenstunden Lärm, stinkendes Frittierfett sowie Vermüllung fürchten. Auch werden eifrig Unterschriften gesammelt – bislang von knapp 2000 Personen.
Augen auf bei der Quartierwahl!, mag man denken und mit den Schultern zucken, wobei das bei diesem Wohnungsmarkt leichter gesagt ist als getan. Derweil haben die Betroffenen, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, Unterstützung seitens nicht ortsansässiger Prominenz erhalten: Auch Hollywoodstar Emma Thompson hat die Petition unterzeichnet. In einem dem Blatt vorliegenden Mail schreibt die zweifache Oscar-Gewinnerin zur Begründung, sie habe kürzlich von einem Hotel auf der anderen Flussseite aus «die seit Jahrhunderten unveränderte Aussicht» auf die Altstadt genossen.
Nun ist gewiss nicht sonderlich relevant, was irgendwelche Touris in der Sache finden. Zu Wort gemeldet hat sich aber auch der Pfarrer am Grossmünster: Der «Zwingli-Nachfolger» schreibt auf Instagram, dass «diese Marke» einfach «nicht zum schönen Limmatquai» passe. Illustriert wird der Post mit einem KI-generierten Bild, das einfaches Volk beim Fastfoodfuttern zeigt, wobei ein Denkmal für den besagten Reformator zugemüllt wird. Ob hier womöglich auch ein bisschen bourgeoiser Dünkel mitspielt? Die Burgerkritik darf jedenfalls nie die Kritik der Bürger ersetzen.
Trotzdem gilt es natürlich, den US-Küchenimperialismus zu bekämpfen – hier entlang zum Unterschreiben: kein-mcdonalds-limmatquai.ch.