Leser:innenbriefe

Nr. 7 –

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Ernährungsinitiative

«Der nächste Fleischstreit», WOZ Nr. 6/26

Sie haben recht, die grünen Nationalrät:innen Kilian Baumann, Franziska Ryser, Christine Badertscher … die Ernährungsinitiative ist zum Scheitern verurteilt. Es muss anders angegangen werden. Geld in den Abstimmungskampf zu stecken, bringt nichts. Sie verstärkt wohl abermals den Stadt-Land-Graben.

Aber: Die Initiative steht. Sie kommt zur Abstimmung. Und wir wissen, dass sie eigentlich nichts verlangt, das nicht machbar wäre. Sie verlangt, was notwendig wäre – angesichts der Biodiversitätskrise, der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen durch Klimawandel und einer fehlgeleiteten Landwirtschafts- und Ernährungspolitik. Stimmen die Nationalrät:innen wirklich Nein?

Kathrin Preisig, Ko-Schulleiterin Biodynamische Landwirtschaftsschule, Rheinau

Der Slogan des Bauernverbands gegen die Ernährungsinitiative ist absurd: «Mein Essen, meine Wahl». Denn niemand ist frei zu wählen, wenn dadurch die Freiheit eines anderen empfindsamen Lebewesens eingeschränkt wird. Und diese Einschränkung ist bei Tierprodukten sogar tödlich! Man stelle sich einen psychopathischen Kannibalen vor, der kann sich auch nicht einfach auf seine Essenswahlfreiheit berufen!

Die Ernährungsinitiative wäre eine Win-win-Situation: für die Ernährungssicherheit, weil wir nicht mehr 1000 Kalorien Pflanzen einem Tier verfüttern würden, um 100 Kalorien Tierprodukte zu erhalten. Die so gewonnenen 900 Kalorien würden unsere Selbstversorgung massiv verbessern. Und ein Gewinn wäre es auch für die Ethik, wenn wir endlich nicht mehr allein in der Schweiz jede Sekunde fast drei fühlende Landtiere töten müssten.

Renato Werndli, Eichberg

Sehr normative Realität

«Serie: Vorspiel auf dem Eis», WOZ Nr. 6/26

Ich habe gerade die Rezension zur TV-Serie «Heated Rivalry» gelesen. Dabei war ich froh zu sehen, dass die fehlende Gesellschaftskritik in der Serie angesprochen wird. Zwar kann man betonen, dass es «nicht unbedeutend sein» könne, wenn in Zeiten autoritärer Herrschaft und Unterdrückung nicht normativer Lebensrealitäten «eine queere Serie durch die Decke geht». Es wäre aber wichtig zu betonen, dass die Serie doch selbst eine sehr normative Realität zeigt (hypermaskulines Eishockey, zwei recht weiss gelesene Schauspieler, schwule Männer als sowieso schon sehr sichtbare Gruppe der queeren Community). Darüber hinaus ist doch auch zu betonen, dass die Serie (wie auch die Bücher), wie es auch der Artikel betont, «offenbar vor allem bei heterosexuellen Frauen sehr gut ankommt».

Öffentliche Sichtbarkeit von nicht heteronormativen Beziehungen ist enorm wichtig, und «Heated Rivalry» trägt ihren Anteil dazu bei. Ich hätte es aber gerne gesehen, wenn der Artikel sich etwas kritischer der Idee gegenübergestellt hätte, dass Serien wie «Heated Rivalry» vielleicht eine problematische Rolle dabei spielen, queere Lebensrealitäten zu hypersexualisieren und damit zu fetischisieren (gerade mit der Idee einer geheimen Liebschaft in einer hypermaskulinen Sportwelt, was an sich auch schon oft – und besser – gemacht wurde) und dass die Schauspieler auch ihren Teil dazu beizutragen scheinen, indem sie dieses Queerbaiting geradezu anzuheizen scheinen.

Michael Franz, via E-Mail