Diesseits von Gut und Böse: Die Fleischkur
Im November 2024 – kurz nach seiner zweiten Wahl zum US-Präsidenten – sass Donald Trump breit grinsend inmitten seiner Kumpane im Flugzeug und mampfte Fastfood. Mit am Tisch sass Robert F. Kennedy Jr., der bald darauf Gesundheitsminister werden sollte und über seinen künftigen Chef zuvor öffentlich gesagt hatte: «Das Zeug, das er isst, ist wirklich schlecht.» Doch auch er nimmt gerade mit etwas gequältem Lächeln einen fetten Burger aus der Packung. Gepostet hatte das Bild Trumps Sohn Donald Jr. mit dem Kommentar: «Make America Healthy Again starts TOMORROW.»
Dreizehn Monate später ist es so weit: Amerika soll gesund werden! Kennedys Gesundheitsministerium schuf eine neue Ernährungspyramide, die entgegen bauphysikalischen Regeln auf ihrer Spitze balanciert. Die Empfehlungen sollen den Kampf gegen die in den USA stark verbreitete Adipositas aufnehmen. Das Motto lautet: Weg von hochkalorischen Fertigprodukten und Zucker, hin zu «echten» Lebensmitteln – wogegen nicht viel zu sagen ist.
Wovor Expert:innen aber warnen, ist die starke Betonung von tierischen Produkten. Ihren Proteinbedarf sollen US-Amerikaner:innen künftig bevorzugt decken, indem sie die Zähne in ein saftiges Filetsteak schlagen. Das wird nicht nur SVP-Nationalrat Mike Egger, Fleischfachmann mit EFZ, freuen. Der Fleischverzehr in der Schweiz liegt unverändert bei über fünfzig Kilo pro Kopf jährlich, und die Werbung für «Schweizer Fleisch» wird staatlich subventioniert. Da können Klimaschützer:innen so viel warnen, wie sie wollen: Unser Rindvieh wird mit Mais und Soja gefüttert und furzt dann frohgemut Methan.