Nr. 19/2006 vom 11.05.2006

Der ungehorsame Vegetarier

Von Brigitte Matern

Was wohl aus Südafrika geworden wäre, wenn er dort geblieben wäre? Wir werden es nie erfahren, denn den 1869 geborenen Rechtsanwalt und Politiker zog es nach Hause zurück. Lange genug hatte er im Ausland gelebt. Sein Jurastudium hatte er in London absolviert – es war die Zeit des grossen Dockerstreiks, dessen Hintergründe ihn jedoch weniger interessierten als die Vermittlerrolle eines Kardinals. Danach wurde er als Anwalt ins südafrikanische Natal geschickt, wo er bald zur bestgehassten Person avancierte. Schon zuvor hatte er als britischer Bürger falscher Hautfarbe Bekanntschaft mit Rassismus gemacht. Wie seine Landsleute in dem Burenstaat behandelt wurden, empörte ihn jedoch masslos, und er beschloss zu handeln.

Er brachte sie dazu, sich den Zwangsregistrierungen zu widersetzen und gegen die diskriminierenden Ehe- und Steuergesetze aufzustehen. Zu Hause setzte er seinen Kampf dann fort. Er organisierte die TextilarbeiterInnen, führte mehrere Steuerboykotte an, rief einen Generalstreik aus (den er später als «Fehler von der Grösse des Himalaja» bezeichnete, weil er in Gewalt ausartete). Nebenbei arbeitete er unermüdlich an einem alternativen Lebenskonzept, das auch die Wirtschaft umfasste. Sein Ziel war ein unabhängiges, aus eigener Kraft überlebensfähiges, gerechtes Land. Dafür setzte er die Kolonialverwaltung hin und wieder auch durch Nahrungsverweigerung unter Druck. Mit 79 wurde er, international hoch geachtet, ermordet.

Wie heisst der vierfache Vater, der sich von Goethes Gretchen zum Spinnen und von Tolstoi zu einem Keuschheitsgelübde inspirieren liess?

Wir fragten nach Mohandas Karamchand Gandhi, genannt Mahatma, die Grosse Seele.

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