Nr. 07/2008 vom 14.02.2008

Der ­Medizinstudent

Von Brigitte Matern

Eigentlich hätte er Arzt werden sollen. Doch dem 1946 in King William’s Town geborenen Sohn eines Verkäufers und eines Dienstmädchens blieb nicht viel Zeit fürs Studium. Er litt unter den Gesetzen seines Landes, das von einer Minderheit regiert wurde; er musste mitanschauen, wie Hunderttausende zwangsumgesiedelt wurden. Als er mit neunzehn Jahren an die Universität kam, engagierte er sich zunächst in einem gemischtrassigen Studentenbund. Bald war ihm jedoch klar, dass eine andere Organisation vonnöten war. Und so gründete er 1968 eine studentische Vereinigung, die sich ausschliesslich an Studierende der Bevölkerungsmehrheit richtete. Er wurde Präsident und Sprecher der Organisation, die sich abgekürzt Saso nannte, und vertrat eine im Grunde einfache Botschaft: Versucht nicht, so zu werden wie die regierende Minderheit, werdet euch eures eigenen Wertes bewusst, nehmt euer Schicksal selbst in die Hand! Innerhalb kurzer Zeit war der charismatische Redner im ganzen Land bekannt - und aus dem einfachen Medizinstudenten, der sich bald auch um die Belange von ArbeiterInnen kümmerte, wurde ein «Terrorist». 1972 warf man ihn von der Universität. Die Behörden verbannten ihn in seine Heimatstadt, verhängten eine Kontaktsperre und steckten ihn … weil er sich davon nicht beeindrucken liess - ins Gefängnis, wo er bald mehr Zeit verbrachte als in Freiheit. Eines Tages kehrte er jedoch nicht mehr zurück. Die Behörden behaupteten später, er habe sich in seiner Zelle zu Tode gehungert. Doch man hatte ihm schlicht den Schädel eingeschlagen. Die Verantwortlichen wurden «mangels Beweisen» nie für ihre Tat verurteilt.

Wer war der gewaltlos agierende Kämpfer, dessen Schrei nach Freiheit die Welt aufwühlte und nach dem in Gambia ein Fussballklub benannt ist?

Wir fragten nach dem südafrikanischen Freiheitskämpfer Steve Biko, der am 12. September 1977 in seiner Gefängniszelle ermordet wurde. Bikos Tod löste international einen Aufschrei der Empörung aus und veranlasste viele MusikerInnen zu Biko-Songs. Mit dem Film «Schrei nach Freiheit» setzte man ihm 1987 ein Denkmal. Von Steve Biko stammt der Ausspruch: «Schwarz sein ist keine Frage der Pigmentierung, sondern des Bewusstseins.» Mitstreiterin und Lebensgefährtin Bikos war Mamphela Ramphele, von 2000 bis 2006 geschäftsführende Direktorin der Weltbank.

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