Nr. 27/2008 vom 03.07.2008

Poesie von der Insel

Von Martin Leuenberger

Der amerikanische Dichter Robert Lax (1915 - 2000) wird oft als Vorläufer der «Beat Poets» bezeichnet. Zu seinen frühen BewunderInnen gehörten Allen Ginsberg und Jack Kerouac. Lax arbeitete als Journalist und Drehbuchautor, ehe er im Alter von 48 Jahren seine Heimat verliess und fortan auf Kalymnos und Patmos lebte - fern von der literarischen Öffentlichkeit und ganz dem Schreiben hingegeben. In der Abgeschiedenheit der beiden griechischen Inseln fand Lax zu seinem eigenen poetischen Ausdruck, der sich als minimalistisch und abstrakt bezeichnen lässt.

Lax reiht in seinen Gedichten die Worte und oft sogar einzelne Silben vertikal untereinander und verlangsamt so den Lesefluss. Auf den Seiten bleibt viel leerer Raum. Dadurch werden die Worte - gemäss Lax' eigenem poetologischem Verständnis - aus dem Korsett der Gewohnheit befreit und können ihre imaginative Kraft entfalten. Mit spielerischer Leichtigkeit gelingt es dem Künstler, an existenzielle Fragen zu rühren. Mit wenigen, einfachen Worten ruft er eindringliche Bilder von der Natur der kargen Inselwelt und von einem Alltag hervor, der noch weitgehend von natürlichen Rhythmen bestimmt ist.

Nun bietet ein zweisprachiger Sammelband mit Gedichten und Tagebuchnotizen aus mehreren Jahrzehnten die Gelegenheit, das aussergewöhnliche Werk des enigmatischen Dichters zu erkunden. Die Herausgeberin Sigrid Hauff stellte die Texte aus dem Fundus der schon zu Lebzeiten des Dichters im Zürcher Pendo-Verlag erschienenen Bändchen zusammen. Schade nur, dass die mehrheitlich langen Naturgedichte, wohl aus Platzgründen, kaum berücksichtigt wurden. Schade auch, dass man von Texten wie «21 Pages / 21 Seiten» oder «The Hill / Der Berg» nur kleine Ausschnitte zu lesen bekommt, um dann festzustellen, dass die Originalausgaben vergriffen sind. Doch schliesslich überwiegt die Freude über das, was da ist.

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