Nr. 43/2011 vom 27.10.2011

Kulturelle Erbschaft

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

In unserer Gesellschaft wird ja dauernd gewählt, gekürt und gecastet. Dementsprechend schlecht fühlen sich alle, die nicht gewinnen. Häufig gibts Tränen, und schuld sind meistens die andern. Doch wenn Sie jetzt denken, das sei neu und die Folge unseres oft beklagten Werteverlusts, irren Sie sich.

In der «Klage Jesu Christi an die undankbare Welt» spricht unser abendländischer Religionsstifter nämlich: «Ich bin der Weg – ihr gehet mich nicht. / Die Wahrheit – ihr glaubet mir nicht», was am letzten Wochenende vermutlich einige der nicht gewählten KandidatInnen gedacht haben dürften. Und mit dem Vorwurf, er sei «der Schönste – man liebet mich nicht» trifft der Herr Jesus ja ziemlich genau die Gefühlslage abgeschiffter SchönheitskonkurrentInnen.

Seine Klage «Ich bin ein Lehrer – man folget mir nicht» spricht für sich selbst, während die Feststellung «Ich bin allmächtig – man fürchtet mich nicht» den Verdacht nahelegt, der Heiland habe an einer manifesten narzisstischen Störung mit Grössenfantasien gelitten. Nachzulesen ist das alles im Lübecker Dom. Da soll noch mal einer sagen, unsere Kultur bleibe ihren christlichen Wurzeln nicht treu!

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