Nr. 44/2011 vom 03.11.2011

Film

Weltfilmtage Thusis

Ein Ausflug zur Viamala lohnt sich dieser Tage besonders: An der 21. Ausgabe der Weltfilmtage Thusis sind 35 Dokumentar- und Spielfilme aus Lateinamerika, Afrika, Asien, Osteuropa und dem Nahen Osten zu sehen, eingebettet in ein vielseitiges Rahmenprogramm und mit Begegnungen mit engagierten Filmschaffenden.

Anita Blumer rollt in ihrem Dokumentarfilm «Buenos días, seguimos en guerra» die Situation Guatemalas am Schicksal der achtjährigen Michelle auf, die aus ihrem Dorf verschwindet. Anschliessend an die Vorführung gibt es ein Gespräch mit der Regisseurin. Auch Uli Gaulke wird in Thusis anwesend sein. Der aus der ehemaligen DDR stammende Regisseur wurde mit «Havanna mi amor» (2000) bekannt. Als weiterer Gast ist Kollo Daniel Sanou aus Burkina Faso zugegen, der seit 1982 über zwanzig Spiel- und Dokfilme realisiert hat. Sein neustes Werk, «Le poids du serment», sowie sein Debütfilm «Paweogo» (1982) sind in Thusis zu sehen.

Der Dokfilm «Silent Snow» von Jan van den Berg und der in Holland lebenden Grönländerin Pipaluk de Groot handelt von der ökologischen Katastrophe in Grönland. Die beiden Filmschaffenden sind ebenfalls in Thusis zu Gast.

Übrigens: Auch Kinder sind an den Weltfilmtagen willkommen. Im Unterschied zu den meisten Filmfestivals bieten die Weltfilmtage einen Kinderhütedienst an.
Silvia Süess

21. Weltfilmtage in: Thusis, Kino Rätia, 
bis So, 6. November. www.weltfilmtage.ch

Festival

Poesie im arabischen Frühling

«Poesie und Veränderung» stehen im Zentrum des diesjährigen Internationalen Poesiefestivals Al-Mutanabbi, das vom Schweizerisch-Arabischen Kulturzentrum Zürich–Bagdad nunmehr schon zum elften Mal ausgetragen wird.

Betont und diskutiert wird die Rolle der Poesie in Zeiten des Umbruchs – insbesondere im arabischen Frühling. Gerade in der arabischen Welt spielt die Poesie als Mittel, gesellschaftspolitische Befindlichkeiten zu äussern, seit je eine wichtige Rolle.

Bei den Mobilisierungen zu den Aufständen in verschiedenen arabischen Ländern kamen den neuen Medien und dem Internet eine grosse Bedeutung zu. Was heisst das für KünstlerInnen im Allgemeinen und DichterInnen im Speziellen? Wie beschreiben die DichterInnen heute ihre Rolle? Was haben sie zu sagen, und wie können sie ihren Stimmen Gehör verschaffen? Während dreier Tage lesen und diskutieren rund zwanzig AutorInnen aus verschiedenen arabischen Ländern und Europa.
Adrian Riklin

11. Internationales Poesiefestival Al-Mutanabbi in: Zürich Brahmsstrasse 106. Fr–So, 4.–6. November, ab 20 Uhr (Sa: ab 17 Uhr). Ausführliches Programm: www.sakz.ch.

Konzert

Sufiyana Kathak

Der in Basel lebende indische Tablaspieler Udai Mazumdar und der Verein Culturall, der sein zehnjähriges Bestehen feiert, bringen mit dem Programm «Soulful Sufi» verschiedene Aspekte der klassischen indischen Kultur auf die Bühne. Ein wichtiges Element ist dabei der Khataktanz, der vor allem im Norden Indiens heimisch ist. Die Tänzerinnen Namrata Rai und Priscilla Brülhart werden dabei von Tabla und Bansuri (einer Querflöte aus Bambus) begleitet. Diese traditionellen Instrumente werden von Mazumdar und Bhaskar Das gespielt. Die zugehörigen – meist religiösen – Geschichten singt Anandita Basu, die sich zusätzlich auf dem Harmonium begleitet. Mazumdar selbst zeichnet für Konzept, Arrangements und Kompositionen verantwortlich und ist so Garant für ein stimmungsvolles Programm.
Fredi Bosshard

Udai Mazumdar, «Soulful Sufi» in: Kreuzlingen Theater an der Grenze, Fr, 4. November, 20 Uhr; Liestal Theater Palazzo, Sa. 5. November, 20 Uhr; Luzern Paulusheim, Mi. 9. November, 20 Uhr; Winterthur Theater im Waaghaus, Do, 10. November, 20 Uhr; Bern Fr, 11. November, 20 Uhr.

Theater

Cüpliweg 10

Am «Cüpliweg 10» gehts hoch her. Vier militante Panthertanten (Catriona Guggenbühl, Grazia Pergoletti, Sibylle Aeberli und Anne Welenc) feiern den Hauskauf und stossen auf eine gloriose WG-Zukunft an. Doch dann lässt ihr gemeinsamer Freund (Silvester von Hösslin) den Deal platzen. Die Viererbande versammelt sich in der Lounge und sinnt auf Rache.

«Happy Deal» ist Teil eins einer vergnüglichen Theatersoap, bei der sich die Protagonistinnen – «Die Raucherinnen» – allerhand ausdenken und genügend kriminelle Fantasie freisetzen, um so den korrupten Bankstern und unmoralischen Immobilienhaien ans Leder zu gehen. Meret Matter führt Regie, die «seefelderprobte» Suzanne Zahnd sorgt für den Text und Aeberli für die Musik.

Das Stück der «Raucherinnen» entfaltet sich in drei Folgen. «Boomcity Bashing» folgt Ende des Monats; «Kickback Desaster» feiert am 25. Dezember Premiere.
Fredi Bosshard

«Cüpliweg 10: Happy Deal, Folge 1» in: Zürich Plaza, Badenerstrasse 109, So, 6., sowie Mo–Mi, 7.–9. November, 20.30 Uhr. www.plaza-zurich.ch

25 Jahre In Situ

In diesem Jahr feiert die KünstlerInnengruppe In Situ Chur ihren 25. Geburtstag. Aus diesem Anlass hat das Kollektiv um den künstlerischen Leiter Wolfram Frank ein dichtes Programm auf die Beine gestellt. In Situ ist vor allem als Theatertruppe bekannt – versteht sich aber nach wie vor als Gruppe, die in allen künstlerischen Disziplinen aktiv ist.

Neben Jubiläumsprojekten in den Bereichen bildende Kunst, Musik, Literatur und Theater wird in einem kathedralengrossen Raum im Areal der alten Churer Pulvermühle die szenische Installation «Hoc est enim Corpus meum I» uraufgeführt. Sie geht der Frage nach, wie es möglich wurde, «dass das Christentum trotz seines zentralen Gedankens der Fleischwerdung Gottes in der Geschichte der Kirche eine derart ambivalente, in vielen Aspekten negierende Beziehung zum Körper errichtet hat».

In Videoarbeiten und einer Performance wird dem abendländischen Weg des Körpers nachgegangen – mit Materialien zu christlichen Prozessionen, Geisselungen und Hexenprozessen bis zur zeitgenössischen Schönheits- und Fitnessindustrie und der Pornografie, die in ihrer sadomasochistischen Spielart die Ikonografie des gekreuzigten Christus aufnimmt.

In der Werkstatt-Kulturbar wird erstmals ein erster Teil des
Adrian Riklin

«Hoc est enim corpus meum I» in: Chur Pulvermühlenareal Do–Sa, 3.–5. November, 19 Uhr.Filmpremiere in: Chur Werkstatt-Kulturbar 
Di, 8. November, 22.30 Uhr. Jubiläumsprogramm: www.insitu-chur.ch.

Baile de huesos

Für Aficionados/as kommt diese Gelegenheit viel zu selten: ein Theaterbesuch in Zürich – in spanischer Sprache. Unter der Regie von Gabriela Merz steht erstmals die spanisch-argentinisch-schweizerische Gruppe Espacio Teatral La Cuarta Pared auf der Bühne. Wobei: Eine Premiere ist es für keineN der Beteiligten, vielmehr ein Auftritt in neuer Formation, hervorgegangen aus den Zürcher Theatergruppen Comicastros und Tablas.

Das Stück «Baile de huesos» – Tanz der Knochen – entstammt der Feder der spanischen Dramatikerin Elena Belmonte und ist letztes Jahr mit dem Premio Internacional Làzaro Carreter ausgezeichnet worden. Die ProtagonistInnen sind in einem seit Jean-Paul Sartres «Huis clos» klassisch gewordenen Dilemma gefangen: Die Hölle, das sind die anderen. Tatsächlich hängen in «Baile de huesos» vier Menschen im Vorraum zur Hölle (oder vielleicht ja doch zum Himmel?) fest und sind einander auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

Ist es nur die Spannung, die ab Freitag an der Kirchgasse 14 in Zürich knistert, oder heizt da noch jemand vom Grossmünster gegenüber ein?
Franziska Meister

«Baile de huesos» in: Zürich Zentrum Karl der Grosse, Fr, 4. November, 20 Uhr (Premiere) sowie Sa, 5., 19. und 26. November, 20 Uhr. Tickets 
via 4pared@gmx.net oder unter 079 623 20 81 respektive 076 491 19 60.

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