Nr. 01/2012 vom 05.01.2012

Film

Tanzfilme

«Neues vom Kino» in Basel zeigt im Januar eine Reihe mit Tanzfilmen. «Breath Made Visible» von Ruedi Gerber ist der erste Kinofilm über die Tanz- und Performance-Ikone Anna Halprin. Der 1920 geborenen Tanzpionierin gelang es, Kunst und Leben annähernd zur Deckung zu bringen. Ihre Experimentierfreude hat in Theater, Tanz, Musik und Performance eine neue Ära begründet.

Gerber zeichnet ihren Lebensweg nach. Beginnend mit ihren ersten seltsamen Tänzen unter kalifornischen Mammutbäumen, über dokumentarische Aufnahmen von ihren erfolgreichen Europatourneen bis zu ihrem krankheitsbedingten Rückzug von der Bühne lässt er ein abgerundetes Bild entstehen – ein Bild, das mit Halprins später Rückkehr auf die Bühne neue Perspektiven zeigt.

In der folgenden Woche ist Wim Wenders’ aufsehenerregende Hommage «Pina» (2011) auf die im Sommer 2009 verstorbene Wuppertaler Tanztheaterregisseurin und Choreografin Pina Bausch zu sehen. Dabei gibt es ein Wiedersehen mit und Einblicke in die Entstehungsprozesse von legendären Stücken wie «Kontakthof», «Café Müller» oder «Vollmond». ibo

«Breath Made Visible» in: Basel Neues Kino, 
Do/Fr, 5./6. Januar, 21 Uhr; «Pina» (2010) 
von Wim Wenders, Do/Fr, 12./13. Januar, 21 Uhr. 
www.neueskinobasel.ch

Klangwerker Hauser

Bis im März ist im Kunsthaus Zug die Klanginstallation «Klanghaus Zug» des Basler Klangtüftlers Fritz Hauser zu sehen (siehe WOZ Nr. 50/11). In seiner begehbaren Installation, die der Komponist als «Retroperspektive» bezeichnete, «weil sie Vergangenheit zusammenfasst und gleichzeitig ein Sprungbrett für weitere Arbeiten bietet», wachsen die Ebenen Licht, Musik und Raum ineinander und werden zu einem Ganzen.

Der Filmklub Fliz in Zug zeigt zum Einstieg ins neue Jahr den Dokumentarfilm «Fritz Hauser – Klangwerker» (2011). Zu sehen und zu hören ist eine audiovisuelle Reise in die musikalische Welt des Künstlers. Regisseur Erich Busslinger zeigt den Schlagzeuger, Performer, Komponisten und Klangforscher in kreativen Prozessen von gleich drei Projekten: bei einem Solostück mit der Theaterregisseurin Barbara Frey, mit einem Team im Radiostudio DRS 2 bei der Erarbeitung eines musikalischen Hörstücks sowie bei der Weiterentwicklung einer Komposition mit TänzerInnen aus aller Welt auf einer grossen Bühne.

Anschliessend an die Filmvorführung stellt sich der Regisseur den Fragen aus dem Publikum. Danach wird noch der Kurzfilm «Schraffur» von Erich Busslinger und Reinhard Manz gezeigt, der auf Aufzeichnungen der Luzerner Uraufführung von Hausers Stück «Schraffur» für Gong und Orchester im September 2010 in Luzern basiert. süs

«Fritz Hauser – Klangwerker» in: Zug Kino Gotthard, Mo, 9. Januar, 20 Uhr. www.fliz.ch

Mord und Totschlag

Sonntagabend ist in Bern Lichtspielabend. Dann zeigt das Kino Lichtspiel jeweils Filme aus dem hauseigenen Archiv: alte Wochenschauen, Werbungen aus den fünfziger Jahren, als der Platz der Frau noch im Heim und am Herd war, oder wunderliche Musikclips mit singenden Gentlemen und hüfteschwingenden Ladys.

Zum 594. Lichtspiel-Sonntag zeigt das Kino altes Filmmaterial zum Thema Mord und Totschlag: «Ein mörderisches Kurzfilmprogramm mit heiteren und düsteren Filmen aus dem Lichtspiel-Archiv», versprechen die OrganisatorInnen auf ihrer Website. süs

«Mord und Totschlag», Lichtspiel-Sonntag Nr. 594 in: Bern Kino Lichtspiel, So, 8. Januar, 20 Uhr, Bar ab 19 Uhr. www.lichtspiel.ch

Theater

Letzte Welten

Die neue Klara-Produktion wendet sich dem Allgegenwärtigen zu: Crash, Krise und Katastrophe. In «Letzte Welten» ist Trouble angesagt und Troubleshooting gefragt.

Krisenkonferenzen dominieren derzeit im politischen wie im privaten Rahmen. Es wird fieberhaft nach der Zukunft gefahndet, sofern es noch eine gibt. Allenthalben werden Entschuldigungen ausgesprochen. Das Klima entschuldigt sich für die Erwärmung, die Staaten bei den Finanzmärkten. Es werden bunte Rettungsschirme in unterschiedlichen Grössen aufgespannt – und niemand weiss, ob die Ballonseide dem Druck standhalten kann.

Es sind mythische Bilder, die sich bei Klara, der Gruppe um Christoph Frick, mit dem globalisierten Alltag verschwägern und dabei die letzten Gewissheiten auflösen. Das Gruppenbild mit Dame heisst «Merkel», und die Präsidenten aus ganz Europa tanzen mit ihr den von Gavin Webber choreografierten «Apocalypso». ibo

Klara, «Physical Theatre – Letzte Welten» in: Basel Kaserne, Fr, 6. Januar, 20 Uhr, Premiere; bis Di, 
10. Januar; in: Freiburg i. Br. Theater, Fr, 13., So, 15., Fr, 20., und Fr, 27. Januar, 20 Uhr; in: Zürich Gessnerallee, Fr/Sa, 10./11. Februar, 20 Uhr.

Hauptsache Arbeit!

Für einmal keine Premierenvorschau, sondern eine Einladung zur Dernière. Denn eigentlich ist es schade, wenn man ein Stück wie dieses, das sich mit der zeitgenössischen Arbeitswelt auseinandersetzt, verpasst. Immerhin handelt es sich um die letzte Vorstellung der Schweizer Erstaufführung des Stücks «Hauptsache Arbeit!» der in Zürich lebenden Schriftstellerin Sibylle Berg (Regie: Antje Thoms).

Berg, bekannt-berüchtigt als genaue Beobachterin und spitzzüngige Kommentatorin des Sozialverhaltens des zeitgenössischen städtischen Mittelstands, entlarvt in ihrem Stück pointenreich und ziemlich sarkastisch das Leben der Angestellten als «kontinuierlichen Deformationsprozess» (Pressetext). Im Zentrum stehen Menschen (und eine recht hinterhältige «Motivationsratte», dargestellt von Stefano Wenk), die sich nur noch über ihren Beruf definieren und den notwendigen Broterwerb zum Lifestyle stilisieren: «Mit verzweifeltem Zweckoptimismus werden die Identifikationsangebote der Firma angenommen, denn ausserhalb des Büros drohen Sinnesleere, Depression und sexuelle Unlust.»

Die «Berner Zeitung» schrieb: «Eine grelle Orgie aus Hass und Selbsthass mit Explosionen am Laufmeter.» Trotzdem ein gutes neues Jahr allerseits! adr

«Hauptsache Arbeit!» in: Bern Stadttheater Vidmar: 1, Dernière: Do, 5. Januar, 19.30 Uhr. 
www.stadttheaterbern.ch

Kapelle Eidg. Moos

Drei Theatermenschen spielen die Entstehung eines Ländlerkonzerts. Herwig Ursin (Akkordeon), Jan Ratschko (Bassklarinette) und der frisch gebackene Zürcher Kulturpreisträger Ruedi Häusermann (Klarinette) bilden die Kapelle Eidg. Moos. Die Produktion ist in Zusammenarbeit mit Giuseppe Reichmuth entstanden, und das bürgt für eine gehörige Portion Skurrilität.

Mit kindhafter Neugier und anarchischem Instinkt nähern sich die Künstler dem Ländler an. Sie schaben an seiner Oberfläche, suchen Randerscheinungen und Nebenereignisse, wagen gar ein Plädoyer für den alten Berner Marsch. Ungehemmt setzen sie den Pendeljodel ein, lassen die Klänge aus dem Juizautomat durch die engen Täler sausen und beschwören gar den Geist von Kasi Geisser, dem Altmeister der Schweizer Volksmusik. Nebenbei führen sie noch das Hörspiel «Die Reise ins Emmental» auf, und zum geselligen Ausklang gibt es – wie im richtigen Leben – Wurst und Kartoffelsalat. ibo

Kapelle Eidg. Moos in: Bern Schlachthaus Theater, Do, 5. Januar, 20.30 Uhr, Premiere; Fr/Sa, 
6./7. Januar, 20.30 Uhr; So, 8. Januar, 18 Uhr. 
www.schlachthaus.ch

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