Nr. 15/2012 vom 12.04.2012

Ein komisches Gefühl

Von Karin Hoffsten

Als Frau mit zwei Pässen, die ihre zur jeweiligen Nationalität passenden Heimatgefühle normalerweise problemlos in Einklang bringt, wähne ich mich derzeit im falschen Film. Während sich der Graben früher nur alle paar Jahre auftat, wenn SchweizerInnen um mich herum in Jubel ausbrachen, weil die deutsche Fussballnationalmannschaft gerade ein Tor kassiert hatte, fühle ich mich jetzt unter Dauerfeuer: Von Steuer- und Fluglärmstreit beflügelt, setzen nationalistische Fantasien zum Höhenflug an.

Vorreiterin der rhetorischen Kriegshandlungen ist im jeweiligen Land die grösste Boulevardzeitung, und – um das Bild noch etwas zu strapazieren – im stinkenden Schützengraben dahinter sitzt die Infanterie und wirft mit Exkrementen. Dabei zählt der hiesige Onlinevorschlag, deutsche Autos nicht mehr durch die Schweiz fahren zu lassen, noch zu den harmloseren; deutsche Kommentare arbeiten sich eher an den eigenen PolitikerInnen ab.

Die solches schreiben, sind sicher keine GrossverdienerInnen. Dennoch richtet sich die grosse Wut beidseits der Grenze kaum gegen jene, die ein Tausendfaches verdienen und das auch noch steuerfrei. Man ist sich halt doch sehr ähnlich.

Aber zum Glück wird ja M13, der Bienen und Deutsche erschreckende Bündner Braunbär, schon bald für einen Themenwechsel sorgen. Oder der Schütze, der ihn erlegt.

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