Nr. 21/2012 vom 24.05.2012

Säuberliche

Finanzielle Engpässe erfordern radikale Massnahmen, das berichtet auch das «Zofinger Tagblatt» über Spanien: «Die Grossbank Bankia mit etwa zehn Millionen Kunden hat faule Immobilienwerte in Höhe von 32 Milliarden Euro in der Bilanz. Als die Lage Anfang Woche brenzlig wurde, nötigte die Bankenaufsicht den bisherigen Bankia-Chef Rodrigo Rato zum Abtritt.» Wahrscheinlich sollte er noch ein letztes Mal ein grosses Geschäft machen. Hoffentlich hat die Bankenaufsicht nicht vergessen, danach zu spülen.
Jürg Fischer

Fassungsvermögende

Auch in Griechenland sucht man weiterhin verzweifelt nach der Superregierung, die den Karren aus dem Dreck ziehen kann. Doch was meldet die Schweizerische Depeschenagentur? «Der Parteichef des griechischen Linksbündnis Syriza, Alexis Tsipras, gab dem Chef der sozialistischen Pasok-Partei, Evangelos Venizelos, einen Korb, der sich um die Bildung einer neuen Regierung bemüht, die sich zu den Sparzusagen an die internationalen Geldgeber Griechenlands bekennt.» Ein Korb kann es sicherlich genauso gut richten, wenn er nur gross genug ist. Oder: Relativsätze sind manchmal relativ schwierig.
Jürg Fischer

Erhellende

Moderieren ist harte Arbeit, gilt es doch, im Interesse des Mediums die Zuhörenden oder -schauenden bei der Stange zu halten. Trotzdem wird manchmal auch solches formuliert (DRS 2): «Nikolai Tokarev ist ein Pianist, der immer wieder gerne zeigt, was in seinen Fingern steckt.» Im Gegensatz zu anderen seines Metiers? Oder im Gegensatz zu den Velofahrern, die lieber zeigen, was in ihren Waden steckt? Nein, im Gegensatz zu ModeratorInnen, die gerne kaschieren, dass nicht immer viel in ihrem Ideenvorrat steckt.
Jürg Fischer

Nachrufende I

Der Tod eines prominenten Zeitgenossen gibt seinesgleichen (oder auch nur annähernd seinesgleichen) die Gratisgelegenheit, sich öffentlich vernehmlich zu äussern. Auch bei Kurt Felix kann das nicht anders sein. Und so kann man mit Fug sagen, auch diese Betroffenen werden eines Tages das Zeitliche segnen, ihre Worte aber bleiben; etwa die «Abschiedsworte von Weggefährten», die von der «SonntagsZeitung» zitiert werden. Zum Beispiel der Unterhalter Karl Dall: «Wir hatten es geahnt. Ich hatte mich schon mehrfach von ihm verabschiedet.» Sicher ist sicher. «Für Kurt war der Tod eine Erlösung. So hatte sein Leiden ein Ende», konstatiert der Hotelier Art Furrer. Hoffen wir mit ihm. Schliesslich der Bauchredner Urs Kliby: «Kurt Felix war mein Entdecker. Ich bin sprachlos.» Zum Glück hat er noch seine Bauchstimme.
Jürg Fischer

Nachrufende II

Einen weiteren Künstler raffte das diesjährige Promisterben im Mai dahin: Robin Gibb, der mit zweien seiner Brüder als Popgruppe Bee Gees grosse Erfolge feierte – am bekanntesten wurde die Filmmusik zu «Saturday Night Fever» 1977 mit dem Hit «Stayin’ Alive». «Blick am Abend» würdigte den Verstorbenen mit einem Titelfoto und kommentierte: «Er sah so aus wie er sang», was unseres Erachtens der Qualität der Bee-Gee-Songs nicht ganz gerecht wird. Dafür fand man für die traurige Tatsache, dass mit Robin bereits der dritte von ursprünglich vier Gibb-Brüdern verstorben ist, passende Worte: «‹Stayin’ Alive› wurde zur Hymne in eigener Sache.»
Karin Hoffsten

woznews@woz.ch

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch