Nr. 22/2012 vom 31.05.2012

Der Satz

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Der Satz stand vorgestern in der NZZ: «Böhnhardt und Mundlos ermordeten ihre Opfer in einer Weise, die dem Rechtsextremismus jeder Couleur einen unermesslichen Schaden zugefügt hat.» Zur Erinnerung: Die Genannten verübten als «NSU – Nationalsozialistischer Untergrund» in Deutschland zehn Morde.

Seither grüble ich. Was ist schützenswert am Rechtsextremismus? Und wieso erlitt dieses Was-auch-immer durch die Art dieser Morde unermesslichen Schaden? So wie der brasilianische Regenwald durch Brandrodung? Wie hätten die Morde denn sein sollen, damit sich der Schaden für den Rechtsextremismus in Grenzen gehalten hätte? Offener? Ehrlicher? Mehr im Affekt? Nur eine Schlägerei unter besoffenen Glatzen?

Geschrieben hat den Satz Eckhard Jesse, Politologe mit Forschungsschwerpunkt Extremismus und Professur an der TU Chemnitz. Vielleicht ist ihm der Satz auch einfach passiert, weil er sich so erschrocken hat. Erschüttert stellt er fest: «Menschen mussten nur deshalb sterben, weil sie ‹Fremde› waren.» Da muss ihm bisher auf seinem Forschungsgebiet einiges entgangen sein.

Professor Jesse hält gern Vorträge über sein Forschungsgebiet. Dass es hin und wieder dort, wo er auftreten soll, zu studentischen Protesten kommt, freut mich. Aber es beruhigt mich nicht.

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