Nr. 25/2012 vom 21.06.2012

Theater

Neuland

«Am Anfang unserer Arbeit steht immer ein Ort», schreibt die Berner Produktionsplattform «Vor Ort» über sich. Gegründet wurde die Truppe 2010 von den SchauspielerInnen Mathis Künzler, Dominique Jann, Jonathan Loosli und Sonja Riesen. In ihrem neusten Projekt, «Neuland», geht die Truppe auf die Suche nach dem Ursprung der Revolution in uns selbst. Das Stück findet an verschiedenen Stationen auf dem Berner Gaswerkareal statt und ist mit Tanz, Theater und Performances alles andere als eine konventionelle Darbietung. Der Ort ist nicht zufällig gewählt: Hier ist mit der Proklamation von Zaffaraya Eckstein der Achtzigerbewegung in der Schweiz verortet. Durch die aktuellen Ereignisse in der Stadt Bern, die Forderungen nach mehr Freiräumen und die Veranstaltung «Tanz dich frei» vom 2. Juni erhält das Stück zusätzliche Brisanz.
Rund um das Stück ist ein kleines Sommerspektakel angekündigt mit Zirkus, Bands, Bar und Filmvorführungen.
Silvia Süess

«Neuland» in: Bern Gaskessel und Gaswerkarael, 
Mo, 25. Juni 2012, 20.30 Uhr, anschliessend Premierenfeier. 
Di, 26., Fr, 29., Sa, 30. Juni 2012, 20.30 Uhr. 
Weitere Vorführungen: www.vorort.be.

Ausstellung

Architekturmodelle

Das Kunsthaus Bregenz (KUB) wurde vom Schweizer Architekten Peter Zumthor entworfen und 1997 eingeweiht. Bereits vor der Eröffnung begann das Museum mit dem Ankauf von Arbeiten, die sich in der Schnittmenge zwischen Kunst und Architektur befinden. Werke von Maria Lassnig, Valie Export und Heimo Zobernig befinden sich in der Sammlung, und Schenkungen von Donald Judd und Per Kirkeby kamen bei späteren Ausstellungen hinzu. Ebenfalls einen wichtigen Teil der Sammlung stellen die gegen 300 Architekturmodelle dar, die Zumthor dem Kunsthaus nach seiner Einzelausstellung von 2007 als Dauerleihgabe überlassen hat.

Eine Auswahl daraus wird nun in einem 200 Quadratmeter grossen Raum im direkt neben dem Kunsthaus gelegenen Postgebäude gezeigt. Es sind Modelle von realisierten Bauten und von solchen, die nicht über das Entwurfsstadium hinausgekommen sind. Sie spiegeln das Schaffen in Zumthors Atelier in Haldenstein. Dabei wird viel mit Materialien hantiert: Lehm geknetet, Holz zugeschnitten und Metall gelötet. Die Modelle haben nichts mit den gewohnten Gipsmodellen zu tun, die das Volumen von Häusern in ihrer Verkleinerung zeigen. Es sind Modelle, die Materialität, Fassaden- und Gebäudestrukturen und Innenräume erfahrbar machen.
Fredi Bosshard

Architekturmodelle Peter Zumthor in: Bregenz Postgebäude neben dem Kunsthaus, Fr, 22. Juni 2012, 
19 Uhr, Eröffnung. Einführung: Yilmaz Dziewior, Rudolf Sagmeister (KUB) und Peter Zumthor. 
Di–So, 10–18 Uhr; Do, 10–21 Uhr. Bis 28. Oktober 2012. www.kunsthaus-bregenz.at

Treidelpfade

Das Kunstmuseum Solothurn zeigt in chronologischer Folge Arbeiten von Schweizer KünstlerInnen, die zwischen 1920 und 1970 entstanden sind. Die Werke stammen aus der eigenen Sammlung und sind unter dem Titel «Treidelpfade» zusammengefasst. Er bezieht sich damit auf die Pfade, die sich Flüssen entlangwinden und auf denen Treidler mithilfe von Pferden Lastkähne flussaufwärts zogen.

Kunstschaffende wie Cuno Amiet (1868–1961), Max Gubler (1898–1973), Alberto Giacometti (1901–1966) oder Meret Oppenheim (1913–1985) erzeugten dabei die Strömungen, von denen sich eine jüngere Generation von KünstlerInnen wie Rolf Spinnler, Alois Carigiet, Margrit Jäggli oder Otto Morach mitziehen liess. Die überraschungsreiche Reise führt dabei von Neuer Sachlichkeit und Surrealismus bis hin zu Nachkriegsexpressionismus und Pop Art.
Fredi Bosshard

«Treidelpfade – Gegenständliche Schweizer Malerei aus der Sammlung (1920 bis 1970)» in: Solothurn Kunstmuseum, Sa, 23. Juni 2012, 17 Uhr, Eröffnung. Di–Fr, 11–17 Uhr; Sa/So, 10–17 Uhr. Bis 19. August 2012. www.kunstmuseum-so.ch

Film

Keine Rückkehr in die Heimat

Ältere MigrantInnen gehen nach der Pensionierung häufig nicht in ihr Heimatland zurück – obwohl sie sich das ursprünglich so ausgemalt hatten: Nur jedeR Dritte kehrt in die Heimat zurück. Ein Drittel bleibt in der Schweiz, ein weiteres Drittel pendelt zwischen den Ländern. Der Autor, Filmemacher und WOZ-Kolumnist Yusuf Yesilöz porträtiert in seinem Film «Eigentlich wollten wir zurückkehren» drei Ehepaare aus der Türkei und dem Balkan, die mit der Frage konfrontiert sind: Hierbleiben oder zurückgehen?

«Behörden in der Schweiz und soziale Institutionen haben erst in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts begonnen, sich mit der Alterung der Migrationsbevölkerung auseinanderzusetzen», schreibt das 2003 gegründete Nationale Forum Alter und Migration auf seiner Website. Das Forum setzt sich dafür ein, die gesundheitliche und soziale Situation älterer Migrantinnen und Migranten in der Schweiz zu verbessern. Yesilöz’ fünfzigminütiger Dokumentarfilm ist ein wichtiger Beitrag zum Thema Alter und Migration.
Silvia Süess

«Eigentlich wollten wir zurückkehren» in: Luzern Stattkino, So, 24. Juni 2012, 11 Uhr; St. Gallen Kinok, 
Di, 26. Juni 2012, 18.30 Uhr. Beide Vorstellungen finden in Anwesenheit des Regisseurs statt. 
www.stattkino.ch / www.kinok.ch

Konzert

Klavierrezital

«Manthan» ist ein Sanskritbegriff, der «aufwirbeln», «schwingen» oder «aufwühlen» bedeuten kann. In Kreuzlingen haben sich Leute aus Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur unter dem Titel «manthan [west]» zusammengefunden. Sie betreiben eine Plattform, die den Austausch zwischen den Bereichen anregt und die Vernetzung sucht. Der Austausch ist aber nicht immer lokal gebunden. Über das Internet und Kontinente hinweg pflegen sie ihre Beziehungen mit «manthan.org [india]» in Delhi.

In enger Zusammenarbeit von «manthan [west]» und dem Forum für andere Musik werden auch Konzerte veranstaltet. Benjamin Engeli, der als Pianist und Dozent für Kammermusik an der Hochschule Basel aktiv ist, präsentiert in einem Solorezital Werke von Franz Schubert und Tobias PM Schneid. Ebenfalls zu hören sind «Fünf Variationen über ein Thema von Franz Schubert» (1956) des deutschen Komponisten Helmut Lachenmann.
Fredi Bosshard

Klavierrezital Benjamin Engeli in: Kreuzlingen Kunstraum, Sa, 23. Juni 2012, 20 Uhr. Reservation: 
look@forumanderemusik.ch. 
www.forumanderemusik.ch

Diskurs

Rousseau, Godard, Cohn-Bendit

Im Zürcher Theater Neumarkt folgt zum Ende der Spielzeit ein Höhepunkt dem anderen: Wenn nicht gerade der «Sommernachtstraum» aufgeführt wird, dient der grosse Saal als Diskussionsraum. Am Samstag, 23. Juni, macht «Mit Rousseau die Demokratie denken» den Auftakt zur siebenteiligen Reihe «Demokratie – Ein Kurs», die in der nächsten Spielzeit fortgesetzt wird. Anlässlich von Jean-Jacques Rousseaus 200. Geburtstag soll «zurück nach vorn» geschaut werden: Brauchen wir einen neuen Gesellschaftsvertrag, und wie könnte der aussehen? Was bedeutet «Postdemokratie», und welche Konsequenzen müssen wir daraus ziehen? Das Netzwerk Kunst+Politik (Konzept: Johanna Lier, Roland Merk, Isolde Schaad und Ruth Schweikert) präsentiert am ersten Abend Texte, lässt Philosophinnen und Künstler zu Wort kommen und in Aktion treten. Im zweiten Teil ist das Publikum eingeladen, sich einzubringen.

Zwei Tage später ist im Rahmen der Reihe «Die Gedanken sind frei» einer der bedeutendsten lebenden Filmemacher zu Gast: Im Gespräch mit Daniel Cohn-Bendit referiert Jean-Luc Godard über sein Buch «Film Socialisme», das als Reflexion zu seinem gleichnamigen Film entstanden ist. Im Film wie im Buch philosophiert Godard über Europas Identität an den Grenzen des Mitteilbaren – in einer Symphonie von vielsprachigen Dialogfetzen, Zitaten, Text- und Bildtafeln.
Adrian Riklin

«Demokratie – Ein Kurs: Teil I» in: Zürich Theater Neumarkt, Sa, 23. Juni 2012, 20 Uhr; Mo, 25. Juni 2012, 20 Uhr, Jean-Luc Godard im Gespräch mit Daniel Cohn-Bendit. 
www.theaterneumarkt.ch

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