Nr. 27/2012 vom 05.07.2012

Konzert

Marc Ribot Y Los Cubanos Postizos

Der Gitarrist Marc Ribot gehört zu den profiliertesten Musikern in New York. Man findet sein Spiel auf Alben von Tom Waits, Laurie Anderson oder The Black Keys. Er taucht regelmässig in den Ensembles von John Zorn auf. Über die Jahre hat er parallel eigene Projekte wie Rootless Cosmopolitans und Ceramic Dog gepflegt. Mit Los Cubanos Postizos hatte Ribot Ende der neunziger Jahre grosse Erfolge gefeiert und das Projekt dann für Jahre auf Eis gelegt.

Nun ist er erneut mit den falschen Kubanern unterwegs. In ihrem Repertoire finden sich Kompositionen der Stars von der karibischen Insel. Besonders Gewicht erhält Arsenio Rodríguez (1911–1970), der Erneuerer des Son Montuno. Seine Kompositionen «La vida es un sueño», «Aquí como allá» und andere werden von den Cubanos Postizos dargebracht. Ribot selbst überträgt den Gestus des Son Montuno mit «Las lomas de New Jersey» und «Postizo» ins Heute: in einer lauen Sommernacht auf der Seebühne der Roten Fabrik.
Fredi Bosshard

Marc Ribot Y Los Cubanos Postizos in: Zürich Rote Fabrik, Bühne am See, So, 8. Juli 2012, 20.30 Uhr. www.rotefabrik.ch / www.marcribot.com

Elektronische Musik

In den drei vergangenen Jahren bot die Berner Dampfzentrale jeweils in einer «Langen Nacht der elektronischen Musik» Einblicke in einen musikalischen Kosmos, der sich auf Werke von Karlheinz Stockhausen, Iannis Xenakis, John Cage und andere bezog.

Heuer stehen zunächst nicht weniger als fünf experimentierfreudige MusikerInnen zwischen dreizehn und fünfzehn Jahren auf der Bühne: Das Tönstör-Laptop-Ensemble präsentiert Kreationen, die es sich in Workshops erarbeitet hat. Christoph Heemann aus Aachen bewegt sich zwischen Dadaismus und Noise, während sich der Hamburger Asmus Tietchens mit Mikrotönen und der Stille auseinandersetzt. Die norwegische Vokalistin und Komponistin Maja Ratkje nutzt für ihre Soloperformances multimediale Kanäle. Die lange Nacht beschliesst Scanner, auch als Robin Rimbaud bekannt, mit aus der Luft gefilterten Sounds, die Björk in ihren Hit «Possibly Maybe» einbaute.
Fredi Bosshard

«Die lange Nacht der elektronischen Musik» in: Bern Dampfzentrale, Fr, 6. Juli 2012, 20.30 Uhr. 
www.dampfzentrale.ch

Wissen

Schwarz sehen

Schwarz ist, was Licht sämtlicher Wellenlängen schluckt. Oder auch – und hier verbindet sich Schwarz als physikalisches Phänomen mit seinem philosophischen Gehalt: Das Schwarz eines schwarzen Lochs ist das Nichts – es schluckt alles.

Kein Wunder, wird Schwarz mit Tod, aber auch mit dem Verbotenen, dem Bösen assoziiert. In der jüngeren Geschichte haben für diese Komponente fast alle irgendwann herhalten müssen: von den Katholiken über die Anarchistinnen bis zu den Faschisten und wieder zurück zum Schwarzen Block.

Schwarz ist die wohl schillerndste «Farbe». Auch auf der Modebühne: Ist das kleine Schwarze nun klassisch oder romantisch, schlicht, eher vornehm oder rassig und sündig? Wer im Juli gerne das Schwarzsehen pflegen möchte, pilgere zur Papiermühle in Basel. Dort lädt der Verein Flying Science zu Kurzvorträgen rund um Schwarz. Margret Ribbert vom Historischen Museum verführt mit Interessantem zur schwarzen Kleidung, Philosophieprofessorin Annemarie Pieper berichtet in «Tunnelblick und schwarze Seele» über den «unaufgeklärten Menschen in der Philosophie», und der Zoologe und Evolutionsbiologe Josef Reichholf spricht in «Gefährliches Schwarz, intelligentes Schwarz» über Vorurteile aus unserer «Sicht» der Natur.

Selbstverständlich darf mitdiskutiert werden, und es besteht weder eine Bekleidungsvorschrift, noch wird Schwarz- oder anderes Geld genommen.
Franziska Meister

«Schwarz» in: Basel Papiermühle, Mi, 11., 
18. und 25. Juli 2012, 18.30 Uhr. www.flyingscience.ch

Festival

Literatur in Leukerbad

«Wollten wir Flaggen aller Herkunftsländer hissen, würde sich ein bunter Teppich am Leukerbadner Himmel spannen»: Zum 17. Mal lädt in diesem Jahr das Internationale Literaturfestival Leukerbad zu Lesungen auf Bergsommerwiesen, Aussichtsterrassen oder auch in Luftseilbahnen ein.

Wie jedes Jahr gibt es in Leukerbad neben bekannten Namen (etwa Peter Bichsel, Sibylle Lewitscharoff oder Ilija Troianow) auch Neuentdeckungen zu machen: Olga Grjasnowa, Kerstin Preiwuss oder Ursula Timea Rossel wussten alle mit ihren ersten Publikationen zu begeistern.
Adrian Riklin

«17. Internationales Literaturfestival Leukerbad» in: Leukerbad diverse Orte, Fr–So, 
6.–8. Juli 2012. www.literaturfestival.ch

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